
8. Februar 2010
Der Guardian sucht den Zeitgeist
Der Begriff "Zeitgeist" entwickelt sich mehr und mehr zu einem wahren Exportschlager deutscher Wortakrobatik. Google hat seine interne Suchstatistik so betitelt, die Smashing Pumpkins haben ihr letztes Album so benannt und es existiert ein Film, der so heißt. Nun gesellt sich ein neues, nicht-deutsches Projekt dazu, dem dieser Name beschieden ist: Zeitgeist – ein neues Projekt des Guardian, welches sich mit der Visualisierung von relevantem Content beschäftigt.
Mit Zeitgeist will der Guardian seinen Lesern die Möglichkeit bieten, die wichtigsten Themen des Tages schnell und übersichtlich erkunden zu können. Bei der Auswahl der Artikel setzt man deswegen nicht nur auf einzelne Kriterien, wie "die meisten Kommentare", Page Impressions oder die häufigsten Klicks, sondern auch gezielt auf die Verbreitung in Social Media Diensten, wie Twitter oder Facebook. Die Artikel werden dann in einer farbig abgestuften Tabelle nach Themen geordnet.
So when something appears on the Zeitgeist page, it's because it performed better (got more attention) than the norm for that content type/section/day. This makes Zeitgeist significantly different from "most read" and "most commented on" lists which appear on this site and others, which often contain a particular columnist or section which routinely gets more attention than other sections.
Ein interessanter Nebeneffekt dieser Darstellungsform ist ein detaillierter Einblick in das Verhalten des Lesers selbst. So zeigt das Projekt bereits nach zwei Wochen Laufzeit, welche Themen den Usern zu welchen Zeitpunkten interessieren. Zu Beginn der Woche werden meist News der Kategorien "Politik" oder "Wirtschaft" höher geranked, während die Leser zum Wochenende hin verstärkt an Lifestyle-Themen und Sport interessiert sind. Daraus lässt sich wiederum auch die Namensgebung des Projektes erklären:
Some people have also asked about the name Zeitgeist and wondered why we're using it. Zeitgeist is a German word which means "spirit of the times" and is commonly used to capture the cultural/intellectual mood and interests or sociocultural direction of a particular nation or group of people at a particular time – in our case, Guardian readers and site users.
Guardians Zeitgeist befindet sich derzeit noch in der Testphase. Ob sich das Projekt durchsetzt, ist letztendlich noch nicht entschieden. Daher weisen die Betreiber darauf hin, dass es derweil zu Problemen und Aussetzern kommen kann. Letztendlich demonstriert das Experiment hingegen, dass es sich lohnt, über neue Wege der Darstellung von Content nachzudenken. Usability trifft schließlich den Zeitgeist des Netzes.
Jürgen Telkmann































