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4. Februar 2008

Der Sprung des müden Tigers

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/kolumnen/041122)

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Die Nachricht kam nicht unerwartet: Microsoft bietet Yahoo 44,6 Milliarden Dollar an und erwartet durch die Fusion jährliche SynergieEffekte von einer Milliarde Dollar. Ähnlich kraftstrotzend war auch schon das Angebot im vergangenen Mai, kurz nach der Übernahme von DoubleClick durch Google. Dass Microsoft seine Kriegskasse so stark beanspruchen will, liegt nicht zuletzt an der leidigen Rolle des (zumindest im Web) ewig Zweiten. Ob Live-Strategie oder Software as a Service, Microsoft will im Web nichts so richtig gelingen.

Das Scheitern der Megafusionen
Mega-Fusionen waren in der Vergangenheit selten von Erfolg gekrönt, dafür gibt es triftige Gründe, die sich zum Beispiel an AOL Time Warner exemplifizieren lassen. Die Ausgangsbedingungen der Symbiose von Neuen Medien und filmischem Content waren hervorragend, das Scheitern desaströs. Am Ende verloren die Aktionäre ihr Geld und die Mitarbeiter ihren Job. Warum?

Drei Erklärungsmuster drängen sich auf:

  • Die zeitaufwändige Integration der IT-Struktur eines eingekauften Unternehmens lässt neue Trends verschlafen, weil der mit einer Integration verbundene Aufwand wesentlich höher ist als in den typischen Innovationszyklen der IT-Branche.
  • IT-Unternehmen sind flüchtige Gebilde, deren größtes Kapital nicht in Quellcode und Server-Farmen liegt, sondern in visionären Mitarbeitern. Und die gehen, wenn der neue Kurs ihrem Wesen widerspricht.
  • Große IT-Unternehmen haben eine Unternehmenskultur, die die charismatische Persönlichkeit wie auch die Schrullen des Firmenchefs widerspiegelt. Die Konfrontation beider Kulturen ist mindestens spannungsreich, wahrscheinlicher jedoch der Grund für die gefloppten Fusionen von AOL/Time Warner, Ebay/Skype und vermutlich auch Microsoft/Yahoo.
Microsoft mit dem Rücken zur Wand
Das Ziel, die kreativen Köpfe von Yahoo einzukaufen, um Google endlich Paroli bieten zu können, dürfte nicht aufgehen. Denn die aggressive Attitüde in der Angebotsphase zeigt letztlich nur, wie sehr Microsoft mit dem Rücken an der Wand steht. Schnell könnte es zu einer feindlichen Übernahme durch Microsoft kommen und damit zwangsläufig zu einem Exodus der Talente, dem einzig wahren Asset von IT-Firmen. Damit würde sich auch die Integration unnötig verlangsamen, der Rest wäre dann Web-Historie. Und damit hätten wir noch nicht einmal über die Binsenweisheit reflektiert, dass zwei Schwache noch keinen Starken ergeben, denn weder Microsoft noch Yahoo sind dort erfolgreich, wo es Google ist: im Online-Werbegeschäft.

Yahoo jedenfalls will erst eingehend andere Optionen prüfen und dämpft damit zunächst die hoch stehenden Erwartungen. Man mag diese Zurückhaltung als Kalkül verstehen, vielleicht auch als Preistreiberei. Denn auch andere Szenarien sind denkbar: private Beteiligungsgesellschaften gar oder ein großer Coup von Rupert Murdoch.

Die Übernahmeschlacht kann beginnen
Angesichts des strauchelnden Aktienkurses dürfte der Aufkauf von Yahoo sicher auch anderen potenten Spielern in den Sinn gekommen sein. Die Kreditkrise macht derzeit Übernahmen dieser Größe zum Kraftakt, der nur von wenigen geleistet werden kann. Wer immer dieses Angebot unterbreiten wird, Microsoft wird mit einer weiteren Offerte kontern und damit nicht zuletzt den Kartellbehörden schlaflose Nächte bereiten.

Google, den nörgelnden Quasimonopolisten, war das alles natürlich längst schon klar: Vermutlich deshalb klingt der Blog-Eintrag von David Drummond, Senior Vice President, Corporate Development and Chief Legal Officer, irgendwie hilflos, als sei es nur ein müder Appell an die offene Kultur beider Suchmaschinen-Giganten und weniger die Beleidigte-Leberwurst-Attitüde eines Unternehmens, dass wie kein zweites die Hybris des großen Geldes verkörpert.

Es bleibt spannend!

Markus Nix

Felix Schrader

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