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14. Juli 2009

Die Wahrheit: Twitter ist nutzlos, Print und Radio tot!

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/kolumnen/049897)

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"Teenager nutzen Twitter nicht!" Diese knallharte und schockierend-alarmierende Analyse stammt von Matthew Robson. Der Morgan Stanley-Analyst begründet die Abneigung der Teenager gegenüber dem Microbloggingdienst mit der geringen Anzahl an Followern, die zwitschernden Personen in der Regel anhängt. Das sei Jugendlichen einfach zu wenig und mache Twitter nutzlos.

Doch Robson hat in seiner Analyse zum Medienverhalten britischer Teenanger noch mehr brutale Wahrheiten aufgedeckt:

  • Teenager sind nicht bereit für Musik zu bezahlen, weder im Internet noch wollen sie CDs kaufen. Lieber laden sie sich ihre Songs illegal aus dem Netz.
  • Teenager hören kein Radio mehr. Das Radio ist tot.
  • Teenager gehen ins Kino. Primär um sich mit Freunden zu treffen, der Film selbst spielt keine große Rolle.
  • Teenager interessieren sich nicht die Bohne für Zeitungen. Print ist tot.
  • Teenager nutzen ungeniert Facebook. Die Analyse, Facebook würde altern, kann daher nur schlichtweg falsch sein.
  • Teenager schauen kein TV mehr. Lieber schauen sie ihren Content online an.

Jetzt könnte man meinen, alles nicht so schlimm. Wenn in 20 bis 30 Jahren keiner mehr für Inhalte bezahlen möchte, dann wird eben alles mit Werbung finanziert. So weit so gut, doch Teenager wollen keine Werbung, sie halten sie für aufdringlich. Ein positives Markenbild lässt sich bei derlei Grundeinstellung nur schwer vermitteln.

Trotz des wirtschaftlich gesehen desaströsen Inhalts, Morgan Stanleys Chef-Media-Analyst hat den Bericht seines Kollegen Robson als "one of the clearest and most thought provoking insights" bezeichnet, den die Investmentbank jemals gesehen hat. Daher stellt man das strategisch bedeutende Papier seinen Kunden als auch der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung .

Den Kunden der Investmentbank dürfte nun die Muffe gehen, konfrontiert mit einer bitteren Wahrheit, um deren klare Formulierung sich Analysten bislang immer eher verschwommen gewunden haben. Auch wenn die Analyse von Robson weder repräsentativ ist und sich zudem lediglich auf die Insel bezieht, so ist davon auszugehen, dass sich das Medienverhalten heranwachsender Generationen weltweit stark ähnelt.

Scheinbar liegt der Morgan Stanley-Bericht auch Sky Technologies vor. Die Russen haben gerade angekündigt für 100 Millionen Dollar weitere Aktien an Facebook akaufen zu wollen. 14,77 Dollar bietet die Internetfirma Facebook-Mitarbeitern je Papier. Damit wäre das Netzwerk 6,5 Milliarden Dollar wert und besser bewertet als CBS. Aber mit TV ist in Zukunft ja kein Geld mehr zu machen.

Wer sich sorgenvoll Grübelt, was in der Zukunft noch Bestand haben könnte, Robson formuliert in seiner Summary "what is hot": Alles mit einem Touchscreen, Handys mit viel Speicherplatz für Musik, portable Devices wie das iPhone, die mit dem Internet verbunden werden können, und richtig große Fernseher – nicht für das abendliche TV-Programm, zum spielen mit Konsolen.

Nicht verschwiegen werden sollte, Robson ist erst kurz bei Morgen Stanley und auch nur vorübergehend. Mit dem Ende seines Praktikums wird der 15-Jährige wieder die Schulbank drücken. Eine große Karriere dürfte ihm aber jetzt schon sicher sein.

So "beeindruckend" die Analyse von Roboson ist, so erschreckend ist der Hype, der dem Papier zu Teil wird. Wie gehaltvoll sind die Analysen, die hochbezahlte Auguren anstellen, dass diese Weisheiten neu erscheinen? Und werde ich noch den Wandel erleben, hin zu jener utopisch erscheinenden Star Trek-Welt, in der wir Menschen nicht mehr für Geld arbeiten sondern für das Allgemeinwohl. Oder was passiert, wenn keiner mehr bereits ist für Leistungen zu bezahlen?

Felix Schrader

Kommentare
Gravatar Peter Stawowy 14.07.2009
um 18:41 Uhr
Was heutzutage nicht alles als "Analyse" herhalten muss... Man sollte das Papier vielleicht auch einfach nicht überbewerten. Meine Erfahrungen sagen, dass es durchaus jede Menge Jugendlicher gibt, die sich für politische und gesellschaftliche Themen interessieren - ihre Fragen und ihr Wissensstand werden nur einfach von den gängigen Medien häufig nicht bedient.
Ich empfehle die Selbstbeobachtung: Wer von uns war mit 15 soweit, dass er Zeitungen oder TV-Sendungen konsumiert hat, um politisch und gesellschaftlich auf dem Laufenden zu sein?

Also, bitte die Kirche im Dorf lassen.
#zitieren
Gravatar Jan 15.07.2009
um 09:05 Uhr
Naja, also 1. sind solche "Analysen" immer sehr mit Vorsicht zu genießen. Da müsste man schon genauer auf die befragte Gruppe, die Methodik etc. schauen. Und 2.: Selbst wenn der Inhalt stimmt - was solls? Irgendwann muss auch der dümmste Jugendliche einsehen, dass Inhalte in der einen oder anderen Form bezahlt werden müssen, da sie hal nicht aus dem Nichts sntstehen ... #zitieren
Gravatar Tim 15.07.2009
um 10:22 Uhr
Tja, vielleicht ist es keine richtige Analyse, aber ich finde der Kerl hat in vielen Punkten recht, das kann ich aus meiner Position gut nachvollziehen. #zitieren
Gravatar Lincoln 15.07.2009
um 10:51 Uhr
"Und werde ich noch den Wandel erleben, hin zu jener utopisch erscheinenden Star Trek-Welt, in der wir Menschen nicht mehr für Geld arbeiten sondern für das Allgemeinwohl"
Du meinst Kommunismus...kommt nicht aus dem Weltraum...
#zitieren
Gravatar Fritz Sofa 15.07.2009
um 12:00 Uhr
Echt witzig. Da schreibt ein Fünfzehnjähriger als Praktikant eine Analyse über das Medienverhalten jugendlicher Teenager die sich sicherlich alle im pubertären Alter befinden, in dem man sowieso alles ablehnt was die sogenannten Erwachsenen erfunden haben und gut finden könnten. Leider gehört hierzu auch das lesen von Zeitschriften, etc.
Alles Verbotene ist in dieser Altersklasse doch sowieso "hot" und das sich die Klientel mit Freunden im Kino trifft ist wohl auch nicht besonders verwunderlich. Wo soll ich als Teenager unter der Volljährigkeitsgrenze ansonsten hingehen außer an ner öffentlichen Bushaltestelle abzuhängen, dann lieber planlos im Kinosaal Handytöne checken und die echten Kinofans nerven, da Discobesuche und Kneipengänge nicht drin sind und um mit dem Auto irgendwann zu Festivals düsen zu können, müßte man ja einen geprinteten Papierfetzen lesen und ausfüllen können. Igitt!
F.S.
#zitieren
Gravatar Nachtschwarm 15.07.2009
um 18:16 Uhr
Fritz Sofa:
Echt witzig. Da schreibt ein Fünfzehnjähriger als Praktikant eine Analyse über das Medienverhalten jugendlicher Teenager die sich sicherlich alle im pubertären Alter befinden, in dem man sowieso alles ablehnt was die sogenannten Erwachsenen erfunden haben und gut finden könnten. Leider gehört hierzu auch das lesen von Zeitschriften, etc.

Alles Verbotene ist in dieser Altersklasse doch sowieso "hot" und das sich die Klientel mit Freunden im Kino trifft ist wohl auch nicht besonders verwunderlich. Wo soll ich als Teenager unter der Volljährigkeitsgrenze ansonsten hingehen außer an ner öffentlichen Bushaltestelle abzuhängen, dann lieber planlos im Kinosaal Handytöne checken und die echten Kinofans nerven, da Discobesuche und Kneipengänge nicht drin sind und um mit dem Auto irgendwann zu Festivals düsen zu können, müßte man ja einen geprinteten Papierfetzen lesen und ausfüllen können. Igitt!
F.S.


Diese Aussage ist einfach nur lächerlich.
Mit diesem Text stellst du die Aussagen des "pubertierenden Praktikanten" so einfach dar, dass du es dir leicht machst und das alles als selbstverständlich abstempelst.
Doch wenn jemand über das Medienverhalten der heutigen Jugend Bescheid weis dann ja wohl die Jugendlichen von heute.
Der text trifft übrigens nicht nur auf pubertierende 15-Jährige zu sondern auch zu einem sehr großen Teil auf die Altersgrupe der jungen Erwachsenen bis einschließlich 30.
#zitieren
Gravatar Kulturbanause 20.07.2009
um 12:54 Uhr
Vielleicht sollte man aus dieser Studie den einzig richtigen Schluss ziehen: Teenager sind als Zielgruppe wenig interessant, weil sie wenig Geld haben und alles umsonst haben wollen. #zitieren
Gravatar tim 10.08.2009
um 00:13 Uhr
Wenn keiner mehr Musik bezahlen möchte werden wir von lancierten "Musikstars" ebenso wie leider auch von wirklich großer Musik und hochwertigen Produktionen alsbald "verschont".
"You get what you paid for" das werden einige dieser sogenannten Teenager im späteren Leben ohnehin lernen müssen
#zitieren
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