1. April 2008
Die neue Welt der Nachrichten oder "Print ist doch tot"
Die Nachrichten-Welt befindet sich im Wandel, das wissen wir. Wie sie aber künftig aussehen könnte, das wissen wir nicht. Anlässlich einer US-Studie über das Medienverhalten junger Leute formulierte ein Student den folgenden Satz: "If the news is that important, it will find me", berichtet die "New York Times". Nach Meinung von Andreas Göldi spiegelt der Satz "verblüffend perfekt wieder, wie die neue Medienwelt funktioniert."
Nachrichten wandeln sich vom Pull- zum Push-Medium. Der Konsument holt sich nicht mehr seine Nachrichten, er liest morgens keine Zeitung mehr, er schaut abends keine "Tagesschau" mehr. Vielmehr warten die Leute ab, welche Nachrichten sich als relevant genug herausstellen, um ihnen empfohlen zu werden. Erste Anzeichen dafür sind Aggregationsseiten wie Rivva, Yigg oder Facts sowie Websites mit sozialer Funktion wie Facebook oder Twitter.
Die neue Art der Nachrichtenselektion
Diese neue Art der Nachrichtenselektion ist angesichts der stark zunehmenden Informationsmengen nicht nur effizienter, sondern oft auch zielgerichteter. Denn wer weiß besser als Freunde und Bekannte, was einem potenziell gefällt. Oder A-List Blogger, mit denen man die selben Interessenbereiche teilt."Chefredakteur ade" heißt es daher bei Göldi, denn der durchschnittliche Zeitungsredakteur wisse nicht, was den Konsumenten interessiert. Im Selbstversuch kommt Gödi denn auch zu dem Schluss, dass für ihn von 50 Meldungen auf Facts immerhin 58 Prozent interessant sind, von den 76 Meldungen auf Spiegel Online sind es dagegen "nur" 37 Prozent. Wobei sich das Interesse bei Spiegel Online auf die Bundesliga-Resultate konzentriert, während bei Facts die Polit-Themen interessanter sind.
Das Ende des Journalismus
Das Ende des Journalismus will Göldi jedoch nicht heraufbeschwören. Das der klassischen Redaktionen dagegen schon. Zwar wird es auch künftig noch Profis geben müssen, die hochwertigen Content produzieren, Recherchen anstellen, Hintergründe ausleuchten. "Aber diese Leute müssen nicht mehr unbedingt für einen klassischen Medienkonzern arbeiten, sondern können auch auf anderen Wegen Visibilität gewinnen. Und eins ist klar: die Filterfunktion der klassischen Medien dürfte immer mehr zum Auslaufmodell werden.Die Annahmen Göldis decken sich mit den "
Der Wandel vom Konsumenten zum Prosumenten
Gleichzeitig wird Social Networking langfristig für jeden Menschen zum täglichen Kommunikations- und Informationswerkzeug, auf das man künftig von überall Zugriff hat. Damit einher geht ein Wandel der Verbraucher hin zum Prosumenten. "Dank der allgegenwärtigen Möglichkeiten zum Abrufen und zum Erstellen von weltweit verfügbaren Informationen lassen sich Konsumenten nicht länger durch leere Werbeversprechen täuschen", so Weigert. Nicht nur das Newsgeschäft auch das Marketing wird künftig erheblich komplizierter.Zu kämpfen haben die Verlage mit der Entwicklung bereits heute. In den USA schalten immer mehr Unternehmen Anzeigen über die Online-Portale von Zeitungen. Die Ausgaben für Online-Werbung kletterten im vergangenen Jahr um 19 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar, berichtet der US-Zeitungsverband Newspaper Association of America. Der Anteil an Internet-Anzeigen auf dem gesamten Werbemarkt kletterte im Jahr 2007 auf 7,5 Prozent von 5,7 Prozent im Vorjahr. Die in Zeitungen gedruckten Anzeigen fielen dagegen um 9,4 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar. Insgesamt ging das Anzeigevolumen um fast acht Prozent auf 45,5 Milliarden Dollar zurück. Es schrumpft also nicht nur der Werbemarkt, künftig werden auch noch mehr Kunden um den einen großen Werbetopf kämpfen.
Felix Schrader
#zitieren
Man schaue sich nur einmal den Trend bei Mobilgeräten an, die immer mehr zum Alleskönner werden – und schon heute als mobiler Feedreader/Nachrichtenzuträger genutzt werden. Was glaubt ihr, wie groß die Konkurrenz erst in diesem Sektor sein wird? Im Internet hört dich niemand schreien – im Print hingegen kannst du dir selbst als Hersteller für die Dekoration von Armanduhrknöfpen noch Gehör verschaffen. Print ist nicht tot – der (Massen-)Markt ist nur gesättigt. #zitieren
































