12. Februar 2010
Drei Tage Google Buzz: Was ist, was war, was kommt
Seit nunmehr drei Tagen gibt es das neue Google Buzz – höchste Zeit also, einen ersten Blick darauf zu werfen, wie der Service von der Netzgemeinde aufgenommen wurde, wie er sich gegenwärtig schlägt und was man von ihm zu erwarten hat. Mit Google Buzz erfährt der persönliche Gmail-Account eine Art Upgrade zum sozialen Netzwerk. Er lässt sich mit Twitter verbinden und eine Facebook-Integration soll folgen. Die Verknüpfung von privatem und zum Teil beruflichem E-Mail-Account mit Social Media Anwendungen ist jedoch nicht ganz unproblematisch. Dennoch bietet sie ein gewisses Potential und könnte eine rosige Zukunft erwarten.
Die Kontakte sind frei, jeder kann sie erraten
Es dauerte nicht lange, bis die ersten Sicherheitsbedenken gegenüber Googles Neuling geäußert wurden. Cnet beschrieb ausführlich, wo eventuelle Lücken in der Sicherung der eigenen Privatssphäre zu finden seien. Diese beginnen nämlich bereits mit der Anmeldung über Gmail: Man folgt automatisch jedem, der in der Gmail-Kontaktliste angeführt ist. Diese Informationen sind dann im Profil für jedermann öffentlich einsehbar. Und nicht nur das: Google hat sich den Follow-Button von Twitter abgeguckt. Andere User können somit der kompletten Kontaktliste eines fremden Accounts folgen.
Zwar ließen sich diese Lücken durch die Einstellungen zur Privatsphäre wieder deaktivieren, doch so ganz blieb man laut Cnet nicht Herr über die eigenen Daten. Jedes Mal, wenn jemand mit einem @-Reply auf den Kommentar oder den Status eines Users reagierte, wurde automatisch dessen E-Mail-Adresse mitgeschickt, welche wiederum öffentlich einsehbar ist. Ein Problem, mit dem auch Techcrunch zu kämpfen hatte. Eine Mail, die man via @-Reply an einen Mitarbeiter sandte, konnte von über 200 Followern des Profils eingesehen werden. Eine besonders fatale Sicherheitslücke, bedenkt man, dass sich bei dem Social Media Aggregator private mit geschäftlichen Accounts und Konten vermischen können.
Zeige mir Dein Buzz und ich sage Dir, wo Du bist
Fataler fällt zudem die Bewertung der zugehörigen Android-App aus. Postet man von seinem Smartphone aus ein Statusupdate, so gilt Vorsicht bei einer Sicherheitsabfrage. Der User wird gefragt, ob er seinen aktuellen Standort in dem Statusupdate mit anführen will. Bestätigt man dies, so ist die Einstellung als Standard gespeichert. Allerdings erhalten dann alle Follower des öffentlichen Profils dieses Update: mit vollem Namen und E-Mail-Adresse. Zudem erhalten User diese Informationen, die Location Based Services wie Foursquare nutzen: Diese sehen, wer sich in der Nähe aufhält, inklusive Adresse, Namen und sonstigen persönlichen Angaben.
Alle diese Lücken ließen sich zwar über die Einstellungen zur Privatssphäre schließen, doch waren diese meist nicht transparent genug. Eine Tatsache, auf die Google bereits reagiert hat. Inzwischen hat man diese angepasst, so dass User leichter erkennen können, wer ihre Daten einsehen kann. Die Kontrolle über die Follower und diesbezügliche Einstellungen ist darüber hinaus ebenfalls verbessert worden. Damit ging Google unter anderem explizit auf das Feedback ein, das Cnet und Techcrunch durch ihre Beiträge zusammenfassten.
Gucken kann man ja mal...
Doch Google Buzz bietet nicht nur Sicherheitsbedenken. Der Service wird bereits verstärkt genutzt und so hat beispielsweise Mashable bereits ein entsprechendes Symbol zu seinen übrigen Social Media Icons hinzugefügt. Ähnlich wie ein "Tweet This"-Button für Twitter lassen sich Artikel, Videos, Kommentare und Blogbeiträge mit nur einem Klick im Buzz-Netzwerk teilen. Ein Feature, dass zukünftig verstärkt genutzt werden wird, denn nach eigenen Angaben nutzt bereits eine ganze Schar von Usern Google Buzz:
It's been just two days since we first launched Google Buzz. Since then, tens of millions of people have checked Buzz out, creating over 9 million posts and comments. Plus, we're seeing over 200 posts per minute from mobile phones around the world.
Wenn, dann aber auch richtig
Es lohnt sich also in der Tat, über Google Buzz nachzudenken. Am Beispiel Facebook konnte man sehen, wie sich derartige Netzwerke rapide zunehmender Beliebtheit erfreuen. Für Selbstvermarkter und Unternehmen könnte demnach ein enormes Potential bestehen und es könnte sich unter Umständen lohnen, von Anfang an dabei zu sein. Für ambitionierte Advanced User hält ReadWriteWeb eine Liste mit fünf Tipps für eine produktivere und sichere Nutzung von Google Buzz bereit. Hier erfährt man, wie man die Privatssphäre effektiv schütz, welche Browser Extensions es bereits gibt oder wie man erfolgreich über den neuen Service kommuniziert.
Mashable schaut indirekt bereits in die Google Buzz' Zukunft und schlägt vier Tools vor, die man derzeit noch vermisst. In einem offenen Brief an den neuen Service fordert man unter anderem eine bessere Twitter- und Facebook-Integration sowie die Möglichkeit des Teilens von Fotos und Videos in den Kommentaren. Jedem Vorschlag wohnt ein kleiner Ausblick auf die Möglichkeiten des Dienstes inne.
Ich bin kein Buzz, holt mich hier raus!
Hat man Googles Gmail-Erweiterung bereits ausprobiert und kann sich beim besten Willen nicht damit anfreunden, könnte es einige Überraschungen geben. Google lässt einen nämlich nicht ohne Weiteres in sein altes Leben zurück. Wie schwer es ist, seinen alten, Buzz-freien Gmail-Account zurück zu bekommen, erklärt wiederrum CNet – natürlich nicht, ohne eine Anleitung zum erfolgreichen Austieg bereitzuhalten.
Was wäre das Internet nur ein trister Ort, wenn es die Spötter und Zyniker nicht gäbe? Denn selbstverständlich kann Google nicht ein neues Feature derartiger Dimension auf den Markt bringen, ohne dass sich Leute darüber ausgiebig lustig machen. Den Abschluss diese Rundblicks bietet daher eine Parodie auf Googles Buzz-Trailer, die wir bei GeeksAreSexy gefunden haben. Viel Spaß.
Jürgen Telkmann

























