
10. November 2010
E-Tomb – Der Grabstein wird zur Festplatte
Der Spruch, man habe nur ein Leben und das sollle man gefälligst nutzen, trifft heute irgendwie nur noch bedingt zu. Wir leben unser Leben heutzutage wenigstens zwiegespalten: Online und offline. Wir definieren uns über unseren Facebook-Account, die Tweets, unser Flickr Album, den YouTube Channel und unser Blog. Die Frage, was mit all unseren Online-Leben passiert, wenn die Offline-Pumpe eines Tages aussetzts, ist nicht neu, doch inzwischen liegen neue Antworten parat. Eine sehr bizarre, aber nicht unvorstellbare haben wir heute bei Yanko Design entdeckt: E-Tomb, der sozial mediale Grabstein.
It’s the kinda tombstone with Bluetooth and solar panels and stores your logs; friends and family can come over and access your virtual life from it and keep each other updated with anecdotes about you by uploading their stories to the tombstone.
Ganz recht: Der Grabstein soll als Festplatte herhalten, deren Daten via Near Field Communication von Smartphones aus abrufbar sind. Die Designer des digitalen Grabmals – Huang Jianbo, Zhao Ting, Wang Yushan, Ran Xiangfei & Mo Ran – sind von der Idee beseelt, dass alle Social Media Accounts und Webseiten des Verstorbenen auf den Friedhof umgebettet werden. So kommt zusammen, was zusammen gehört – die sterblichen Überreste vereinen sich mit den digitalen.
Derartige Ideen scheinen die logische Konsequenz aus vorangegangenen Beschäftigungen mit dem Tod und Social Media zu sein. Man findet heute vermehrt Tipps, wie der digitale Nachlass zu regeln ist, und soziale Netzwerke setzen sich bereits seit Längerem damit auseinander, wie man mit den Accounts verstorbener User umzugehen hat. Aus derartigen Überlegungen sind bereits eigenständige Geschäftsideen entstanden, die Usern eine Art digitalen Friedhof im Netz bieten – zu nennen wäre die Swiss DNA Bank.
Egal, ob man Ideen wie den E-Tomb nun als geschmacklos beurteilt oder darin eine brilliante Lösung für die digitale Nachlass-Regelung sieht – das Problem steht im Raum und eine Lösung wird immer dringender. Spätestens, wenn die erste Generation der Digital Natives an die Himmelstore klopft, sollte man Antworten auf die vorletzte aller Fragen bereit haben: Was passiert mit meinem Facebook Account, wenn ich nicht mehr da bin?



Bilder sowie Aufmacherbild via Yanko Design
Jürgen Telkmann

























