9. August 2011
Facebook erzieht unsere Kinder zu selbstverliebten Idioten
Heutzutage machen sich Marketingstrategen und Social Media Berater mehr und mehr Gedanken darüber, wann sie den User am besten erreichen. Doch vielleicht muss man in naher Zukunft nicht nur den Zeitrahmen für Facebook Posts anpassen, sondern auch ihren inhaltlichen Anspruch maßgeblich drosseln. Denn die zukünftigen Bewohner sozialer Netzwerke verblöden uns zunehmend vor den Bildschirmen, wie nun die Studie Poke Me: How Social Networks Can Both Help and Harm Our Kids, die auf der jährlichen Versammlung der American Psychological Association vorgestellt wurde, herausgefunden haben will. In deren Rahmen untersuchte man den Einfluss von Facebook auf die Psyche und den Intellekt bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Larry D. Rosen, Professor für Psychologie an der California State University fasst im Gespräch mit ScienceDaily zusammen:
While nobody can deny that Facebook has altered the landscape of social interaction, particularly among young people, we are just now starting to see solid psychological research demonstrating both the positives and the negatives
Die Studie fördert dabei zunächst Dunkles zutage. So zeigen Kinder, die sich öfter im Netzwerk tummeln, narzistische Tendenzen – junge Erwachsene weisen gar psychologische Auffälligkeiten wie antisoziales Verhalten, Manien und Aggressivität auf. Ferner konnten die Macher der Studie Angszustände bis hin zu Depressionen bei stark Social Media affinen Teenagern beobachten bzw. eine höhere Anfälligkeit für derartige Krankheiten. Darüber hinaus wirkt sich der übermäßige Gebrauch von Facebook auch negativ auf die Lernfähigkeit aus: Beispielsweise weisen Studenten, die innerhalb einer Lernphase alle 15 Minuten ihr Profil checken, deutlich schlechtere Noten auf.
Doch die Untersuchung kann dem sozialen Netzwerk auch positive Aspekte attestieren. So gelingt es jungen Facebook Usern beispielsweise besser, mitfühlend auf Online-Freunde einzugehen. Zudem lernen introvertierte Jugendliche hinter der Anonymität des Bildschirms schneller, ihre sozialen Real-Life-Ängste zu überwinden und mit Gleichaltrigen in Kontakt zu treten. Und schließlich biete Facebook Lehrern und Schülern neuartige Tools und Möglichkeiten, den Unterricht interaktiver und ansprechender zu gestalten.
Die Widersprüche zwischen den positiven und negativen Effekten von Facebook auf die Jugend sind auch WebProNews aufgefallen. Zum Einen haben jugendliche Facebook User schlechtere Noten, zum anderen hilft das Netzwerk beim Lernen; auf der einen Seite sind die adoleszenten User antisozial, zum anderen fördert es soziales Verhalten? Diese Ambivalenz scheint sich allenfalls durch einen Erziehungsauftrag für die Eltern überbrücken zu lassen. Laut Rosen bringe es allerdings nichts, das Verhalten der Kinder im Netzwerk elektronisch zu überwachen oder zu drosseln, da diese mittlerweile technisch weitaus versierter seien und binnen Minuten Wege gefunden hätten, Sperren und Kontrollen zu umgehen.
Vielmehr sieht der Psychologie-Professor die Lösung in aktiven Elterngesprächen. Diese können allerdings nur fruchten, wenn auch die Erziehungberechtigten bei den aktuellen, technologischen Trends auf dem Laufenden sind und sich regelmäßig informieren. Dass diese Lösung nicht unbedingt die bequemste ist, weiß auch Rosen: "Communication is the crux of parenting. You need to talk to your kids, or rather, listen to them [...] The ratio of parent listen to parent talk should be at least five-to-one. Talk one minute and listen for five."
Jürgen Telkmann
> Beispielsweise weisen Studenten, die innerhalb einer Lernphase alle
> 15 Minuten ihr Profil checken, deutlich schlechtere Noten auf.
Werden daraus nicht falsche Schlüsse gezogen? Ist wirklich Facebook die Ursache oder hat es nicht ganz anderer Gründe, warum sie alle 15 Minuten ihre Aufmerksamkeit der Hauptaufgabe entziehen und sich Facebook widmen? Kann man Facebook nicht durch was x-beliebiges ersetzen? Diese Verhaltensweisen sind doch nicht neu und gab es bei Online-Abhängigen doch auch schon vor Facebook.
Außerdem suggeriert der Artikel anfänglich schon eine starke Opferhaltung, so als wären die Kinder Facebook ausgeliefert. Wenn sie es wirklich sind, dann hat das vermutlich andere Ursachen, wie z. B. dass Facebook der einzige Ort intensiverer sozialer Interaktion ist.
Ich kann mir gut vorstellen, dass dahinter unter anderem auch mangelndes Selbstvertrauen, daraus resultierendes starkes Anerkennungsbedürfnis oder schlicht eine große (unbewusste) Unsicherheit steckt. Facebook ist da ein recht schmerzfreies Medium, um herauszubekommen, ob man richtig tickt, gut ankommt und so. Da es keine audio-visuellen Rückmeldungen gibt, muss man eben ständig nachschauen und das geschriebene interpretieren. Je öfter jemand nachschaut, desto unsicherer könnte er sich in seiner Umwelt fühlen. Genährt wird das ganze sicher auch vom großen Perfektionismusgeist unserer Leistungsgesellschaft. Perfektionsmus macht unangreifbar und entledigt einem der Aufgabe, seine Fehler und Unzulänglichkeiten zu akzeptieren. Dummerweise wird niemand einen Perfektionismus erreichen, somit ist Frust eigentlich vorprogrammiert.
Ich behaupte auch mal, wer viel Bestätigung von Außen (z. B. durch Facebook) nötig hat, übergibt damit auch viel Verantwortung an andere. Statt sich aus sich heraus zu mögen, müssen das andere leisten. Und das muss natürlich ständig verifiziert werden. Und dieses Verhalten gab es sicher schon vor dem Computerzeitalter und ich kann mir gut vorstellen, dass gerade Menschen denen Emotionen recht fremd sind, stärker dazu neigen.
Interessant wäre mal zu erfahren, wie die „Betroffenen“ sich selbst einschätzen, z. B. nach einem (freiwilligen) Experiment mit Berieselungs-Entzug und sozialer (nicht weltfremder) Alternativen.
Aber sollten Eltern wirklich alles verstehen und nachvollziehen, was ihre Kinder machen? Wenn man die Grundsätze des Zusammenlebens aktiv und leitbildhaft vermittelt und auch eine eigenständige Maßregelung vorgelebt wird, kann man dann nicht darauf vertrauen, dass die Kinder das auch in anderen Bereichen anwenden? Muss eine vorübergehende ungesunde wirkende Facebook-Nutzung immer gleich problematisiert werden? Führt eine ständige Einmischung nicht dazu, dass Verantwortungslosigkeit genährt wird? Ich beziehe mich damit konkret eher auf Jugendliche, wo man ja schon eine gewisse Selbstverantwortung erwarten kann.
Wie sagen Eltern dazu? #zitieren
Irgendwie fehlt es am Vermögen sich und anderen Grenzen zu setzen. Das könnte auch eine Form von angestrebter Fehlerlosigkeit und Konfliktscheue sein. Es würde auch zu deinem krassen Beispiel mit deinem Bruder passen, der scheinbar keine Freundschaftsanfrage ablehnen kann und auch immer Bescheid wissen muss bzw. will. Würde er Anfragen ablehnen oder nicht mehr Bescheid wissen, käme es zu Kritik und Ablehnung und evtl. dem Gefühl, man sei nicht richtig.
Deine Äußerungen mit der Zeit und dem Problem der selektiv positiven „Berichterstattung“ zeigen sehr schön, dass hinter allem auch irgendwie ein gewisser Leistungsdruck stecken könnte, dass man quasi herausragend sein muss und das irgendwie belegt werden muss. Der Beleg scheint wichtiger zu sein als die Tatsache selber. Aber eigentlich auch nichts neues. Schon im Kindergarten wird gerne geprahlt, dass der eigene Papa besser sei und man denke nur an die Nachbarn, die sich mit immer fetteren Autos überbieten. Bei Facebook kann man so eine Neigung viel einfacher und intensiver freien Lauf lassen und man muss nicht mal aufpassen, dass jemand einem eine Lüge oder Realitätsverbiegung an der Nasenspitze ansieht.
Eigentlich sollte man eine Gegenoffensive starten. Also mal nur das langweilige schreiben oder wo sich das eigene Unvermögen zeigt. Allerdings kann man sich die Kommentare zu einem Posting über die miese, mickrige Kamera, mit der man vielleicht trotzdem zufrieden ist, gut vorstellen. Daran werden sich sicher einige aufziehen.
Irgendwie könnte man auch meinen, es herrscht eine gewisse Identitätslosigkeit, welche mittels Facebook gut oberflächlich kompensiert werden kann. Als Ursachen könnte ich mir zu viel Kontrolle, zu wenige Abgrenzung der Eltern und die allgemeine, auch politisch geschürte, Verantwortungslosigkeit vorstellen. Da ja so viel im Leben von außen bestimmt und reguliert wird, muss man gar nicht mehr selbst ein Gefühl für seine und die Grenzen anderer entwickeln und selbst wenn man irgendwelche Grenzen oder Regeln überschreitet, gibt es kaum gravierende Konsequenzen. Zu viele Regulierungen könnten auch dazu führen, dass Denken für unnötig erachtet wird, da man mit der bequemen Folgsamkeit gut durch's Leben taumelt. #zitieren
Ein kleines Gedanken Spiel am Rande, das ausnahmsweiße sogar mal für Soziale Netzwerke spricht :
Im Urmeer waren es früher Einzeller die fröhlich ohne Plan durchs Leben tümmpelten.
Etwas später schlossen Sie sich dann zu 6 dann zu 32 Zellern usw zusammen um Arbeitsteilung zu betreiben und so einen Vorteil aus dem Leben zu schlagen. Die Zellen Spezialiserten sich immer mehr und dies geschahr über Jahrmillionen bis zum heutigen Menschen... Heute bestehen wir aus aberbillionen Zellen und jede ist am rechten Platz und macht ihr Ding ohne andere zu beinflussen oder zu bekämpfen. Stell dir vor deine Sehzelle im Auge würde jetzt auf die dumme Idee kommen deine Darmzelle anzugreifen nur weil diese übel riecht oder nicht das sieht was die Augenzelle sieht'?! Dann wäre unser Organismus schätzungsweise nicht überlebensfähig..? Oder? Ja und auf was ich hinaus will ist, dass wenn man das ganze auf die Bevölkerung, Menschen sowie Tiere (Mensch dank Intelligenz natürlich als Vermittler zu den Tieren), bezieht, dann sollten wir uns fragen ob wir mittlerweile nicht selbst ein großer Organismus sind und es wirklich Sinn macht Kriege zu führen, unser Ökosystem so dermaßen in Mittleidenschaft zu ziehen
oder Trends nachzulaufen die für das Gesamte keinerlei Nutzen haben?? Was aber dann für Soziale Netzwerke spricht, ist die Möglichkeit des Datenaustausches (emotional und visuell wären natürlich besser) zwischen den einzelnen Zellen/Lebewesen, sprich ein Nervensystem. Fässt die Hand auf die Ofenplatte sagt das Nervensytem (wir haben alle ein Hirn!!!), autsch nicht gut, zieh die Hand weg und die Muskelzellen machen es! ;) #zitieren


























