19. Januar 2010
Google vs. Peking – Nächste Runde
Google will Gespräche mit der chinesischen Regierung führen, um eine unzensierte Suchmaschine in der Volksrepublik durchzusetzen, berichtet Bloomberg. Die Bekanntmachung ist eine weitere Reaktion auf die jüngsten chinesischen Hackerangriffe gegen den Suchdienst. Google drohte zuvor offen damit, sich komplett aus dem chinesischen Markt zurückzuziehen. In der kommenden Woche werden erste Ergebnisse erwartet, die Aufschluss darüber geben, ob Google auf dem chinesischen Markt bleiben wird.
Google steckt in einem Dilemma. Der chinesische Markt ist der Wachstumsmarkt der Zukunft. Nach einer Studie von eMarketer Inc. hat China bereits jetzt mit über 300 Millionen Menschen die zahlenmäßig größte Internetnutzergemeinde, die weiter rapide wächst. Ein solcher Wachstumsmarkt kann aus ökonomischen Gründen kaum vernachlässigt werden und würde Googles Position auf dem Weltmarkt extrem schwächen. Doch Geschäfte in China machen bedeutet auch, sich dem dortigen Regime beugen zu müssen. Konkret hieß das im Fall von Google, die Zensur- und Überwachungsmaßnahmen der Volksrepublik mitzutragen. Google steckte bereits beim Start von google.cn vor einigen Jahren eine Menge Kritik ein, als man sich bereit erklärte, bestimmte Inhalte des Suchdienstes auf Wunsch der chinesischen Regierung indizieren zu lassen. Für ein Unternehmen, das in der Öffentlichkeit Wert darauf legt ein "sauberes" Image" zu pflegen, eine problematische Entscheidung.
Nach den jüngsten Hackerangriffen gibt sich nun Google trotzig gegenüber dem Regime in Peking. Doch ist dieses Vorhaben von Google nur schwer durchsetzbar. So könnte sich die ganze Aktion als ein Rückzugsbeginn darstellen, mit dem die moralische Weste wieder reinhewaschen werden soll. Ein Entgegenkommen der chinesischen Regierung ist in diesem Fall wohl kaum zu erwaten. Bedenkt man, dass nach Berichten des Telegraph im "Land des Lächelns" nun auch SMS systematisch überwacht werden sollen. Google würde den Anschluss an den asiatischen Markt verlieren. Die Profiteure könnten Microsoft und Yahoo heißen. Die Moral könnte dabei auf der Strecke bleiben, doch diese war noch nie ein Garant für ein "gutes" Geschäft.
Lukasz Konieczny































