
7. September 2009
Internet-Manifest: Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche
Polit-Blogger Markus Beckedahl, Spreeblick-Gründer Johnny Heusler, Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer, Blogger Sascha Lobo, Medienjournalist Stefan Niggemeier, der Elektrische Reporter Marius Sixtus und neun weitere Netz-Persönlichkeiten haben es gewagt, 17 Behauptungen aufzustellen wie Journalismus heute funktioniert – zusammengefasst im Internet-Manifest.
Das Manifest fordert einen neuen, einen innovativen Umgang der traditionellen Medien mit den neuen Gegebenheiten im Internet. So heißt es: "Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten."
Ferner, "es gibt kein Zuviel an Informationen. Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut unüberprüfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führen – sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert."
Mit ihrem Manifest zielen die Unterzeichner auf die Hamburger Erklärung ab, die im Juni 2009 von Hamburger Verlagen vorgelegt, von zahlreichen Verlagen weltweit gezeichnet und inzwischen der EU-Kommission überreicht wurde. In der Erklärung treten die Verlage für ein Leistungsschutzrecht ein. "Im Internet darf es keine rechtsfreien Zonen geben. Gesetzgeber und Regierung auf nationaler wie internationaler Ebene sollten die geistige Wertschöpfung von Urhebern und Werkmittlern besser schützen. Ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums muss verboten bleiben. Am Ende muss auch im World Wide Web gelten: Keine Demokratie gedeiht ohne unabhängigen Journalismus."
Das Manifest hält dagegen: "Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus." Des Weiteres lassen sich mit journalistischen Inhalten im Netz sehr wohl Geld verdienen, Tradition sei jedoch kein Geschäftsmodell.
Neu sind viele der 17 Behauptungen im Internet-Manifest nicht. Aber sie fassen die aktuelle Diskussionen gut zusammen und bilden ein Gegengewicht zur Hamburger Erklärung. Somit erhält die sonst so diffuse Masse der Bogger ein "Gesicht". Wer sich dem Manifest anschießen möchte, kann das über die Kommentarfunktion unter internet-manifest.de tun.
Felix Schrader
http://www.stupidedia.org/stupi/Das_original_Internet-Manifest #zitieren

































