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21. April 2008

Interview mit Ginsu Yoon, Vice President Business Affairs von Linden Lab

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/news/042813)

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Linden Lab wurde 1999 von Philip Rosedale gegründet. Aus den Entwicklungsarbeiten des Labs entstand das Second Life GRID. Im Jahr 2007 verzeichnete Second Life ein deutliches Wachstum auf über 10 Millionen registrierte Avatare. Nach dem Auf und Ab der letzten Jahre verzeichnete die Plattform inzwischen über 50.000 gleichzeitige Benutzer, die die vielfältige Erlebniswelt von Second Life bereisen.

CREATE OR DIE: Herr Yoon, wie sieht die Vermarktungsstrategie bei Linden Lab bezüglich ihrer serverbasierten GRID-Technologie aus?
Ginsu Yoon: Mit dem White-Label-Konzept ermöglichen wir Unternehmen, unter ihrem eigenen Brand virtuelle Welten zu betreiben.

"Der Betrieb eines GRIDs für virtuelle 3D-Welten ist keine triviale Sache, die man im Wohnzimmer betreiben kann.

CREATE OR DIE: Sind Unternehmen dabei auf die Serverinfrastruktur von Linden Lab angewiesen oder kann ein GRID auch in einem deutschen Rechenzentrum laufen?
Ginsu Yoon: Unsere GRID-Technologie kann prinzipiell Standortunabhängig betrieben werden. Die Frage ist nur, ob das jeweilige Rechenzentrum unsere Anforderungen bezüglich Internetservices und Datenspeicher erfüllen kann. Der Betrieb eines GRIDs für virtuelle 3D-Welten ist keine triviale Sache, die man im Wohnzimmer betreiben kann. Wir verhandeln bereits mit zahlreichen Anbietern weltweit, die unsere Anforderungen bezüglich Internetservices und Datenspeicher erfüllen können.

CREATE OR DIE: Wie sieht das Business- und Preismodell aus?
Ginsu Yoon: Nun, das Preismodell ist noch nicht final verabschiedet und befindet sich noch in der Abstimmung. Es hängt auch ein wenig vom individuellen Kunden ab. Damit möchte ich signalisieren, dass wir auch Verhandlungsspielraum einräumen können. Mit unserem Konzept sprechen wir Großkunden an. Das kleinste Paket umfasst 160 SIMs. Insgesamt können Kunden im Vergleich zu den normalen SIM-Preisen mit einem deutlichen Preisnachlass rechnen. Bezüglich der Preisgestaltung richtet sich das Geschäftsmodell im Wesentlichen nach der Anzahl der SIMs und nicht etwa nach der Anzahl der Avatare.

CREATE OR DIE: Ab wann stehen denn die ersten GRIDs auf dieser Basis bereit?
Ginsu Yoon: Dieses Modell ist bereits im Einsatz und steht somit sofort bereit.

CREATE OR DIE: Wäre so eine eigene Welt für sich abgeschlossen oder ist auch eine Interoperabilität mit anderen Welten beziehungsweise dem Second Life Main GRID möglich?
Ginsu Yoon: Prinzipiell ist beides möglich. Sie können eine für sich abgeschlossene Welt hinter Firewalls haben oder eine Welt, die z.B. mit dem Second Life GRID interoperabel ist. Wir denken jedoch, dass ein wesentlicher Mehrwert darin besteht, virtuelle Welten miteinander zu verbinden.

CREATE OR DIE: Ist ein Kunde an den Linden Dollar gebunden oder könnte er auch eine eigene Währung einführen?
Ginsu Yoon: Generell ist der Kunde frei in der Gestaltung seiner virtuellen Währung. Wir haben auch in der Vergangenheit keine anderen Währungssysteme in Second Life untersagt. Die Erfahrung zeigte, dass andere Systeme keinen Erfolg hatten, weil für die Community eine einheitliche Währung vorteilhafter ist. Eine einheitliche Währung ist überschaubar und einfacher zu handhaben.

CREATE OR DIE: Wie sieht es mit der Interoperabilität zwischen den GRIDs aus? Wird es irgendwann möglich sein, sich über GRID-Grenzen hinweg zu teleportieren?
Ginsu Yoon: Wir glauben daran, dass die Anbindung an das bestehende Second Life GRID mit seiner Community und den bereits geschaffenen Inhalten einen Mehrwert für andere GRID-Betreiber hat. Aus unserer Sicht besteht der Hauptzweck des Second Life GRID darin, möglichst viele dezentrale Regionsserver anzubinden. Ein Avatar hat dann die Möglichkeit, die Vielfalt der GRIDs zu bereisen. Er kann erwarten, dass Berechtigungen so gehandhabt werden, wie sie zurzeit gehandhabt werden.

"Wir glauben fest daran, dass Interoperabilität zwischen verschiedenen Arten von Infrastrukturen sehr wichtig für das gesamte Wachstum der Industrie virtueller Welten ist."

CREATE OR DIE: Wie stehen Sie den aktuellen Open-Source-Entwicklungen gegenüber, die kompatibel zum Second Life Client sind? Etwa dem CentralGRID oder dem OpenLife GRID?
Ginsu Yoon: Wir glauben fest daran, dass Interoperabilität zwischen verschiedenen Arten von Infrastrukturen sehr wichtig für das gesamte Wachstum der Industrie virtueller Welten ist. Wir untersuchen und entwickeln Interoperabilitätspläne sehr aktiv in unserer Architekturarbeitsgruppe, die bei der Entwicklung des Open-Source-Projekts OpenSIM entscheidend beteiligt war und ist.

Bezüglich der Interoperabilität ist es für die OpenSim-Vertreter in Zukunft einfacher, da sie bereits auf das Second-Life-GRID-Protokoll aufbauen. Andere Unternehmen und andere Arten virtueller Technologien sind willkommen, bei diesen Interoperabilitätsplänen mitzuarbeiten.

CREATE OR DIE: Das Ziel ist auf lange Sicht, alles miteinander zu verbinden und ein hohes Maß an Interoperabilität zu erreichen?
Ginsu Yoon: Ja, so ist es. Wir sind, wenn man das Wachstum des World Wide Web betrachtet, sicher, dass es viele Lektionen zu lernen gibt. Eine Lektion ist sicherlich, dass die virtuelle Industrie nur durch eine Öffnung und nicht durch getrennte Erfahrungen herauswachsen kann. Der Sinn liegt darin, in einer kontinuierlichen Erfahrung als Avatar in einer virtuellen Welt in der Lage zu sein, überall hin zu gehen und seine Identität überall hin mitzunehmen. Wir müssen bedenken, dass diese Art von Standards im Web über 15 bis 20 Jahre hinweg gewachsen ist. Es ist wahrscheinlich, dass es in einer virtuellen Umgebung ebenfalls einige Zeit dauert.

CREATE OR DIE: Herr Yoon, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg auf dem Web.3D-Markt.

Das Interview führte Andreas Mertens, Betreiber des Web-Portals SLTalk.de.


Kleines Web-3D-Glossar:

Second Life:
Second Life ist eine internetbasierte 3D-Infrastruktur. Die interaktiven 3D-Inhalte werden durch die Teilnehmer, die so genannten Residents, nach dem Prinzip des "User-generated Contents" erzeugt. Die Plattform wird bereits heute als kostengünstige Kollaborationsplattform, u.a. im Bereich E-Learning sowie für Produktpräsentationen, genutzt. Second Life verzeichnet 12 Mio. Residents, die auf über 18.000 Regionen heute Erlebniswelten explorieren können. In den Spitzenzeiten halten sich bis zu 50.000 Benutzer mit ihren Avataren gleichzeitig im Second Life GRID auf.

SIM, Region, Regionsserver:
Eine so genannte Region umfasst ca. 65.000 Quadratmeter und wird als Region oder SIM (Simulator) bezeichnet. Ein Simulator wird in der Regel auf einem Regionsserver betrieben.

GRID:
Ein GRID bezeichnet den Verbund mehrerer Regionsserver.

Teleportieren:
In der virtuellen Welt von Second Life kann man große Distanzen durch das Teleportieren überbrücken. In der Regel teleportiert man sich zu einer entfernten Region bzw. SIM.

Avatar:
Der Begriff Avatar kommt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie die göttliche Verkörperung durch eine Gestalt. In virtuellen Welten repräsentiert der Avatar die Person hinter dem Bildschirm.

White Label:
Konzept Geschäftsmodell, das es erlaubt, ein eigenes Marketing-Brand auf Basis einer Technologie eines Fremdherstellers zu vermarkten.

OpenSource bzw. Web.3D, OpenSIM:
Das OpenSIM-Projekt wurde von der Architekturgruppe von Linden Lab unterstützt. Die OpenSIM Community entwickelt eine Open-Source-Variante eines Regionsservers und dessen Infrastrukturdienste. Auf Basis dieser Technologie entwickeln sich die ersten "freien" GRIDs, z.B. das CentralGRID oder das OpenLife GRID. Eines von vielen weiteren Open Source GRIDs, ist OpenCroquet . OpenCroquet ist allerdings nicht kompatibel mit dem Second-Life-Protokoll.

Kommentare
Gravatar Sascha 21.04.2008
um 17:08 Uhr
schon faszinierend was da alles so abläuft #zitieren
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