22. November 2010
Kommentare – Qualität vs. Quantität
Kommentare sind wichtig für einen Blog oder ein Online-Magazin: Zum einen signalisieren sie Leben auf der Seite und bezeugen eine lebendige Community, zum Anderen ergänzen sie idealerweise die Inhalte des Autors um weitere Fakten, decken Fehler in der Argumentation auf oder äußern Lob bzw. Kritik an den Thesen. Doch die aktuelle Entwicklung zeigt einen Rückgang der Häufigkeit von Kommentaren – speziell in designbezogenen Blogs – wie Autor des Smashing Magazines, Robert Brown, aktuell darlegt. Ein Umstand, den Brown nicht als unproblematisch bewertet:
The current commenting attitude can effectively undercut any potential ongoing discussion that the author of the post set out to have. When, and why, did the dialog die? Perhaps if we can root out the cause, we can better address the problem.
Ist die Community tatsächlich des Kommentierens und damit einhergehend des Diskutierens müde geworden? Nicht zwangsläufig, denn Brown sieht drei verschiedene Szenarien für die sinkende Zahl der Kommentare verantwortlich. Zunächst könnte dieser Umstand ein Kind der Zeit sein: Wir kommunizieren über derart viele Kanäle, dass das Kommentieren in Blogs und Foren schlichtweg als erstes wegrationalisiert wurde. Zum Zweiten könnte die Social Media-Übermacht den Blog-Kommentar stetig ablösen: Auf Facebook und Twitter toben die Diskussionen. Oder aber – drittens – der Kommentar löst den Trackback ab: Die Leser nutzen die Kommentarfunktion lediglich dazu, auf eigene Bloginhalte zu verlinken und betreiben eine Art Outsourcing des Feedbacks.
Was kann man als Betreiber eines Blogs oder Magazins also tun? Konkrete Vorschläge geben darüber hinaus InkRebels: The 8 Types of Posts That Get Maximum Comments. Hier packt man das Problem empirisch an, indem man sich ansieht, welcher Content für gewöhnlich die meisten Kommentare bekommt. Zu den acht Post-Typen zählen unter anderem "How To’s and Hacks", "Contests and Giveaways", "Mega Lists and Resources" oder "LOL or Funny Posts". Jene Artikel also, die man im Netz zu Hauf findet: Tutorials, Verlosungen und LOLCats – so bekomme man Kommentare und Traffic.
Brown gibt allgemeinere Tipps, die man beim Erstellen des Contents im Hinterkopf behalten sollte: Man muss den Leser packen und neue Wege erschließen, ihn zum Äußern seiner Meinung zu bewegen. Dann lohne es sich, als Autor in die Diskussion einzusteigen und selbst auf Kommentare zu reagieren – viele Kommentatoren besuchen den Artikel ein weiteres Mal, um zu sehen, wie sich die Diskussion entwickelt hat. Darüber hinaus sollte eine generelle, diskussionsfreudige Atmosphäre vorherrschen, und die Leser sollten den Eindruck bekommen, dass ihre Kommentare ernstgenommen werden. Brown will demnach keinen Kniefall vor den Interessen des Lesers, die Google Analytics oder die Klicks auf den Like-Button prophezeihen – qualitative hochwertiger Content bekommt eben solche Kommentare, so Browns These.
Über Sinn und Zweck von Kommentaren im Allgemeinen lässt sich natürlich streiten. So auch auf CREATE OR DIE, als Nils Pooker vor rund einem Jahr postulierte, die Blogosphäre sei ein reines Kommentarparadies für "Blender, Querulanten, SEO-Hobbyisten und andere Schwachköpfe, denen man nicht einmal im Benimmkurs einen guten Tag wünschen möchte". Und auch andere Medien, wie beispielsweise Gizmodo, sehen die Kommentare zu einem Post nicht als konstruktives Feedback der Community, sondern als Ausdruck der Dummheit mancher Leser: "When presented with something that does not match your very rigid preconceptions of what should entertain you this very second, you lash out with the all the weaponry at your disposal, spitting flechettes of feeble cruelty at the slightest provocation".
Für Blogbetreiber werden die Zeiten also härter: Nicht nur, dass sie Probleme haben, den Leser überhaupt zum Kommentieren zu bewegen – Trolle und Grammatik-Nazis will man natürlich auch nicht haben. Doch welcher der beiden oben genannten Lösungswege, um wenigstens die Quantität in den Griff zu bekommen, hat nun recht? Hier lohnt der direkte Vergleich: Schaut man sich Browns Artikel im Smashing Magazine an, so verzeichnet er aktuell über 180 Kommentare – inklusive derer, die Brown seinem eigenen Credo folgend selbst verfasst hat. Bei InkRebels kratzt man an der 80. Wie schließt man diesen Beitrag: Was denkt ihr?
Jürgen Telkmann
(jt) #zitieren

























