1. März 2010
Politiker für mehr Datenschutz – Druck auf Street View
Politiker in Deutschland und Europa setzen sich verstärkt für Datenschutz im Internet ein. Im Zusammenhang damit wurde auch auf Google wegen Street View verstärkt Druck ausgeübt. Bundeskanzlerin Merkel erklärte in ihrem Podcast: "Das Internet ist kein rechtsfreier Raum." Sie warnte die Bundesbürger davor, ihre Daten im Internet leichtfertig zugänglich zu machen. Im Falle von Street View erinnerte sie die Bürger daran, dass sie ein Widerspruchsrecht hätten, von dem sie Gebrauch machen können. Das Verbraucherschutzministerium habe dafür auf seiner Internetseite einen Musterbrief vorbereitet.
Auch die Europäische Union will jetzt Google stärker in die Schranken weisen. Sie hat die Suchmaschine angewiesen, die Bilder in Street View nach sechs Monaten zu löschen, wie Bloomberg berichtete. Die Empfehlung dazu wurde von der Art.29 Datenschutzgruppe ausgesprochen. Googles Frist von zwölf Monaten sei für die Gruppe "unangemessen".
EU-Kommissarin Viviane Reding betonte, wie sehr die EU auf die Einhaltung des Datenschutzes pochen möchte. Sie bezog sich in dem Fall konkret auf Bilder, die Google für Street View in Großbritannien aufgenommen hatte. Google müsse die britischen Bürger stärker über sein Vorhaben informieren. "Google needs to raise much more awareness of Street View cars going though people’s streets as there is an option to opt out of appearing in them but no one knows about it", hieß es aus dem Büro der Kommissarin.
Google verteidigte seine Vorgehensweise. "The need to retain the unblurred images is legitimate and justified – to ensure the quality and accuracy of our maps, to improve our ability to rectify mistakes in blurring, as well as to use the data we have collected to build better maps products for our users. We have publicly committed to a retention period of 12 months from the date on which images are published on Street View, and this is the period which we will continue to meet globally", sagte Google-Anwalt Peter Fleischer.
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner betonte nochmals die Gefahren, die für die Freiheit der Bürger von Internetkonzernen ausgehen könnten. "Mit der Vernetzung und Vermarktung privater Daten ist eine Menge Geld zu verdienen", sagte die Ministerin in der SZ. "Branchenriesen wie Facebook, Apple, Google oder Microsoft können im Internet ganze Persönlichkeitsprofile erstellen. Sie wissen, wofür wir uns interessieren, was wir kaufen, wohin wir verreisen, mit wem wir befreundet sind". Die "völlig neue Dimension der globalen Digitalisierung" könnte zu Zuständen führen, in denen es ein leichtes wäre, mit Gesichtserkennungs-Software Menschen überall zu orten und zu identifizieren. "Selbst George Orwell hätte sich das nicht träumen lassen", befürchtet Aigner.
Innenminister Thomas de Maizière veröffentlichte zum Thema Internet, Datenschutz und Freiheit einen Essay im Tagesspiegel. Er wolle "die Freiheit des Internets bewahren". Er betont dabei aber auch, dass zu Selbstbestimmung die Möglichkeit der nachträglichen Kontrolle gehöre. Er griff dabei die Idee des Datenbriefes auf. Diese sehe vor, dass Unternehmen sich dazu selbst verpflichten müssten, die Bürger darüber zu informieren, wie viele Informationen sie über sie besitzen. Der Datenbrief entstammt einer Forderung des Chaos Computer Club.
Der Innenminister möchte in Zukunft verstärkt das Gespräch mit der Netzcomunity suchen, um die Verwirklichung eines solchen Datenbriefes zu diskutieren. Frank Rieger, der Sprecher des CCC, begrüßte die Einstellung de Maizières. "Ich hoffe, dass der neue Trend in der Politik, den Dialog mit der Netzgesellschaft zu suchen und über Grundwerte nachzudenken, ernst gemeint und nicht nur leere Rhetorik ist", sagte er bei Zeit Online.
Lukasz Konieczny
Man sollte sicherlich skeptisch sein und ein gewisses Maß an Vorsicht und natürlichem Mißtrauen mitbringen, aber wer - so wie unsere lieben Politiker - ständig nur gegen Google eifert, der sollte sich lieber mal danach umschauen welche Betriebe wirklich Schindluder mit unseren Daten treiben.
P.S.: Ich halte z.B. Microsoft für wesentlich schlimmer, denen schenke ich nicht annähernd so viel Vertrauen wie Google. #zitieren
Die Nachricht von Google ab jetzt auch eingestellte Bilder von Internet-Teilnehmern in Google Map zu integrieren, veranlasst mich zu folgendem Vorschlag:
Es wird Zeit darüber nachzudenken eine “Gema-Lösung” für die Nutzung von Informationen finden, die Teilnehmer des Internets kostenlos eingestellt haben, wenn Firmen wie Google mit Aggregation und Indizierung Milliarden damit verdienen.
Damit könnte man nicht nur die Monopolstellung von Google entschärfen sondern auch das Problem der Verlage lösen, wenn diese für ihre ins Netz gestellten Informationen einen Geldrückfluss von Google &Co erhalten.
Immerhin gehören die ins Netz gestellten Bilder, Texte usw. dem Urheber der Information. Das Internet ist eine so starke Lebens- und Business beeinflussende Kraft geworden, es jetzt an der Zeit wäre eine Erlaubnis zur Indizierung oder irgend einer anderen Verwertung im Internet zur geschäftlichen Nutzung einzuführen.”
Wer auch so denkt, sollte diesen Gedanken weiter verbreiten, um politische Kreise zum Denken und Handeln anzuregen.
Siehe auch meine Website:
“Gema-Lösung” für Datennutzung durch Google
keshoo.com
Otmar Cürten (früher als Otmar Weber bekannt),
lebt jetzt in Kalifornien, USA mit langjähriger Erfahrung im Presse- und Internet-Sektor in Deutschland (Mitbegründer, ehem. Vorstand/AR des Markt&Technik Verlages) #zitieren
Man sollte eher auf die Nutzer eingehen und ihr Bewusstsein in der Hinsicht wecken, das sie nicht so schnell und leichtfertig Daten hochladen, versehen mit Geotags, Beschreibungen, Namen der Personen auf dem Bild usw...
Google ist nunmal nicht das Hauptproblem beim Thema "Datenkrake"... Daten sammeln können andere Unternehmen mindestens genauso gut, und das heimlich (!). Das Problem ist einfach die viel zu oft fehlende Medienkompetenz bei den Benutzern. #zitieren
































