
11. April 2008
Print ist nicht tot – aber die Tageszeitung
Der neue Chefredakteur von Zeit Online, Wolfgang Blau, prophezeit Tageszeitungen ein jähes Ende. Ausgehend vom heutigen Leserverhalten, gäbe es in Deutschland zu viele Zeitungen. Daher werden wir es bald erleben, so Blau im Rahmen einer Podiumsdiskussion der dpa-Tochter News Aktuell, "dass sich große deutsche Tageszeitungen für einen wöchentlichen Erscheinungsrhythmus entscheiden".
Tageszeitungen wandeln sich zu Wochenzeitungen
Stundenaktuelle News finden wir dann im Internet, Exklusives und Hintergrundinformationen in der Wochenzeitung, so die Vision. Wochentiteln wie Zeit und Spiegel stünde demnach viel Konkurrenz ins Haus. Aber auch die Journalisten müssen sich ändern. "Wir werden uns weiterentwickeln und mehr Transparenz über uns schaffen müssen, um den Mehrwert unserer professionellen journalistischen Arbeit zu belegen." Gemeint ist damit: Journalisten sollen ihren Lesern offen legen, wer sie, z.B. bei Vorträgen, wie hoch bezahlt, wie es um ihr reguläre Einkommen bestellt ist und welche Aktien sich im Depot befinden, ist auf Horizont zu lesen.
Dabei bleibt die Qualität auf der Strecke
Ob sich Zeitung derart wandeln werden? Thomas Knüwer vom Handelsblatt hegt Zweifel. Lässt man einmal den Einbruch der Werbeeinnahmen weg – fünf Tageszeitungen sind mehr als eine Wochenzeitung – steht man vor dem großen Problem des Lesermarktes. "Wochenjournalismus ist etwas völlig anderes als Tageszeitungsjournalismus. Er ist magaziniger, erfordert eine tiefere Recherche und eine bessere Schreibe. Weite Teile der aktuellen Redakteursschaft der Tageszeitungen könnte adäquate Inhalte nicht produzieren." Die Folge wären schlecht gemachte Wochenblätter, die am Markt mit gut gemachten konkurrieren.Zur Rettung der Tageszeitung fordert Knüwer daher Investitionen. Tägliche Magazine müssten sie werden, die mit einem geringeren Umfang als Magazine aber ebensolcher Qualität den Wochenblättern das Wasser abgraben. Wer aber soll diese Qualität liefern? Der Tagesjournalist hat laut Knüwer andere Stärken.
Am Ende kommt es ganz anders
Die niedersächsischen Verleger indes teilen die Meinung von Blau nicht einmal ansatzweise. Sie haben kürzlich gar vor einer zu großen Internet-Euphorie gewarnt, meldet Heise. "Nicht mit dem Internet verdient unsere Branche ihr Geld, sondern mit weitem Abstand immer noch mit unseren Druckerzeugnissen", so der Vorsitzende des Verbandes Nordwestdeutscher Zeitungsverlage, Jörg-Peter Knochen auf der Jahreshauptversammlung in Peine. Laut einer nicht näher genannten Erhebung erfahre die Internetnutzung eine gewisse Stagnation. Zeitungen würden im Rahmen sinkender Auflage aber ihre Reichweiten erhalten, in einigen Verlagen nehme sie sogar zu: "Ich verstehe darunter mehr als nur ein Trostpflaster für das alte, ja das junge Medium Tageszeitung", so Knochen.Die Tageszeitung ein junges Medium? Geschenkt! Aber auch sie wird sich wandeln müssen. Den Kopf in den Sand zu stecken und auf eine gewisse Stagnation der Internetnutzung zu verweisen macht nichts besser, sondern nur schlimmer. Wie auch immer die Medienwelt in zwei oder drei Jahren aussehen wird, sie wird sich deutlich von der heutigen unterscheiden.
Felix Schrader
































