19. März 2010
Qualitätsjournalismus hält Print am Leben
In regelmäßigen Zyklen schallt es von den Dächern, Print sei tot. Das attraktive Angebot an News und Storys im Netz böte derart viele Vorteile, und sie seien obendrein noch kostenlos. Warum also noch in die Tasche greifen und in einen Haufen Altpapier investieren, der Neuigkeiten von gestern beinhaltet – mal überspitzt gesprochen. Eine neue Umfrage von TNS Emnid zeigt nun allerdings, dass immer noch viele Tageszeitungsleser an ihrem altbackenen Medium festhalten.
Die Ergebnisse der Umfrage erwecken allerdings den Eindruck, dass dem so ist, weil ein Großteil der Zeitungsleser noch nichts vom multimedialen Überangebot des Netzes gehört zu haben scheint. Ganze 40 Prozent wissen nichts von Web-TV, und rund ein Viertel hat noch nie etwas davon gehört, dass man sich Videos zu den Nachrichten auf der Webseite anschauen kann. Verschweigen die Printmedien ihren Lesern hier etwa wichtige Infos?
Lediglich vier Prozent machen von multimedialen Inhalten einer Nachrichten-Website Gebrauch. Ähnlich verhält es sich mit RSS-Feeds: Die Wenigen, die davon bereits hörten, nutzen das Angebot nicht und wünschen es sich noch nicht einmal. Twitter wird von rund zwei Prozent der Zeitungsleser mit Online-Zugang genutzt. Das schließt auch die eigentlich so netzaffine Gruppe der 14- bis 29-Jährigen mit ein. Michael Voß von TNS Emnid schlussfolgert:
Offenbar sind diese Angebote weniger geeignet, diese jüngere Zielgruppe an die Angebote der Tageszeitungen heranzuführen.
Jene Zeitungsleser, die nur gelegentlich einen Blick in die Print-Nachrichten riskieren, schüren jedoch Hoffnung für die Online-Kompetenz des professionellen Journalismus. Diese schenken den klassischen Medien nämlich ein immenses Vertrauen, wenn es um die Berichterstattung im Netz geht.
Am größten ist die Akzeptanz von Angeboten, die aus der journalistischen Kernkompetenz der Tageszeitung erwachsen. Zum Beispiel Bewegtbilder zu aktuellen Nachrichten, RSS-Feeds, Listung häufig gelesener Artikel. Personen, die regelmäßig zur Zeitung greifen, können also sehr wohl mit erweiterten Content-Angeboten an das Angebot der lokalen bzw. regionalen Tageszeitungspräsenz herangeführt bzw. dort gehalten werden.
Tageszeitungen wird es also auch weiterhin geben. Trotz Google News, Paid Content, Twitter und Kostenloskultur. Dem Qualitätsjournalismus sei Dank.
Jürgen Telkmann
Die Überschrift müsste also lauten: Qualitätsjournalismus hält den Journalismus am Leben, aber ganz sicher nicht das Printmedium. #zitieren































