15. März 2010
Social Media Guidelines – Journalisten im Netz
Die klassischen Medien haben so ihre Probleme mit dem Internet. Dennoch scheint der Umgang mit dem Web ein ambivalenter zu sein. Zum Einen bereitet das Netz den Printjournalisten eine ernstzunehmende Konkurrenz, da die Kostenloskultur die Käufer von Zeitungen und Zeitschriften fern hält. Zum Anderen ist das Netz eine unverzichtbare Quelle geworden, auf die man gerne zu Recherchezwecken zurückgreift. Die Frage ist also, wie man mit dem geliebten Feind umzugehen hat. Reuters bietet auf die Frage nun eine Antwort. Das Medienunternehmen hat sein Handbuch für Journalisten um Social Media Guidlines erweitert.
Darin rät das Unternehmen seinen Angestellten, im Wesentlichen denselben ethischen Grundsätzen für Journalisten zu folgen, wie sie auch offline praktiziert werden sollen. Dazu gehört beispielsweise, neben seinem privaten einen geschäftlichen Account zu eröffnen, der den Betreffenden klar und unmissverständlich als Reuters-Journalisten ausweist. Zudem gilt es beim "Folgen" oder "Freunde werden" darauf zu achten, dass die eigenen Quellen geschützt bleiben – d.h. die Facebook-Freunde oder Twitter-Follower sollten keine Liste geheimer Informanten darstellen.
Insgesamt ermutigt Reuters seine Journalisten dazu, Social Media zu nutzen. Allerdings sollten diese ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken, Blogs oder Foren immer mit dem Vorgesetzten abstimmen. Außerdem sei geboten, dass man selbst keine News verbreitet, ehe sie offiziell in einem Reuters-Medium erschienen sind. Schließlich will man die eigenen Angestellten nicht zur Konkurrenz 2.0 heranzüchten.
Alles in allem bezieht das Medienunternehmen mit den Social Media Richtlinien eine klare Stellung bezüglich des Umgangs mit dem Netz. Es greift ein Problem auf, das für alle Verlage von Bedeutung ist, aber selten so eindeutig und elegant gelöst wird. Die BBC geht in ihren Editorial Guidelines zwar ebenfalls auf das Verhalten im Netz ein, doch verblassen die dort angeführten Punkte im direkten Vergleich zur Randnotiz.
Jürgen Telkmann

































