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9. Februar 2011

Twitters schmutziges, kleines Geheimnis: Irrelevanz

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/news/058298)

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Twitter wird seit rund einem Jahr in einem Atemzug mit Facebook genannt, wenn es um die Frage geht, worauf Unternehmen ihren kommunikativen Fokus richten sollen. Ähnlich wie im Fall der mittlerweile mehr als 600 Million Facebook-User wird auch für den Microblog mit den weit in die 100 Million gehenden User-Zahlen argumentiert. Doch unter dem Gesichtspunkt, dass soziale Medien sich über das Engagement der Community und die Kommunikationsbereitschaft der User definieren, so lohnt ein Blick hinter diese grob quantitativen Werte. Einen Eindruck von der Qualität des Services liefern dagegen folgende Zahlen:

  • 33 Prozent der User haben noch nie getweetet
  • Stolze 80 Prozent haben weniger als zehn Tweets abgeschickt
  • Ein Viertel folgt niemandem und fast zwei Drittel folgen weniger als zehn anderen Usern

Diese Werte entstammen der Infografik Twitter's Dirty Little Secret, die wir bei den BitRebels entdeckt haben. Treffender könnte der Titel kaum gewählt sein, denn hinter der Kulisse scheint es – unter der Vorraussetzung, dass die Werte stimmen – mau auszusehen beim Microblog. Nicht wenige User bekommen den Eindruck, dass sich ihre Follower-Crowd lediglich aus Spammern oder brachliegenden Eintags-Zwitscherern zusammensetzt.

Ein Blick in Analysetools wie ManageFlitter kann die Qualität des Follower-Wertes schnell relativieren: Nicht wenige Accounts haben seit mehr als vier Wochen keinen müden Tweet mehr von sich gegeben, viele verwenden nicht einmal ein Profilbild. Ein genauerer Blick auf die Listen, in denen man aufgeführt ist, kann offenbaren, dass dabei viele automatisch von Formulist generiert wurden. Dieser Service erfreut sich aktuell zunehmend bei Spammern steigender Beliebtheit, lässt sich damit die Zahl der Listeneinträge doch schnell steigern. Mit dem Listen-Service kann man zum Beispiel festlegen, dass neue Follower automatisch gelistet werden – frei nach dem Motto gib dem Spammer Zucker.

Twitter kann wichtig sein, wie beispielsweise die jüngsten Ereignisse in Ägypten gezeigt haben – manche Tweets bringen uns immer wieder zum Lachen – Twitter kann manchen Marketing-Kampagnen mittels Viralität den entscheidenden ROI geben. Doch letztendlich macht es in jedem einzelnen Fall nicht die Masse, sondern die Klasse. Klar wollen Unternehmen, dass ihr Account möglichst viele Follower hat, schließlich ist dies einer der wenigen messbaren Werte, die Social Media Services bieten. Doch um sicher zu stellen, dass die Zahl der Follower möglichst aussagekräftig ist, muss man sich um die wenigen, aktiven User bemühen – und das geht inzwischen nicht mehr ohne geschultes Know-how.

Infografik: Twitter wird überschätzt

Jürgen Telkmann

Kommentare
Gravatar Frank Krings 09.02.2011
um 16:55 Uhr
Wenn die Zahlen stimmen, sind das wirklich viele Karteileichen. Vielleicht liegt es daran, dass Twitter für einen totalen Newbie erstmal sehr kryptisch ist. Viele wissen nach der Anmeldung oft gar nicht, "wie der Hase läuft". Um bei Twitter Spaß / einen Mehrwert zu haben muss man schon Zeit & Geduld investieren. Aber dann lohnt es sich... ;) #zitieren
Gravatar Michael Müller 09.02.2011
um 23:53 Uhr
Es ist schon gut, die Zahlen, die über Social-Media-Dienste kursieren, mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Andererseits bleiben bei den genannten Volumina immer noch beträchtliche Mengen an Usern übrig, wenn man zwei Drittel oder drei Viertel an Karteileichen abzieht. Wichtiger scheint mir: Twitter generiert aus meiner Sicht einen echten kommunikativen Mehrwert, von daher bin ich optimistisch für Twitters Zukunft. (Eine andere Frage ist, ob sich dieser Mehrwert in Umsätze verwandeln wird). #zitieren
Gravatar Kai Boxberg 10.02.2011
um 08:59 Uhr
Die Zahlen lassen sich aber auf sehr viele Foren/Communities übertragen. Daher bin ich ja auch dafür das es ein Acc-Verfallsdatum geben sollte.
Alles was längere Zeit nicht aktiv ist bekommt eine Erinnerungsmail und nach kurzer Wartezeit kommt der Kick. ;) So handhabe ich das jedenfalls. ;)

Und bei Twitter sollte es mal ein nettes Tutorial am Anfang geben. Das war sehr unübersichtlich und nervend am Anfang ;)

LG KAi
#zitieren
Top Kommentar der Woche
Gravatar OTurner 10.02.2011
um 11:42 Uhr
Diesen Beitrag finde ich echt mal gelungen. Er zeigt einfach, dass die "sozialen Netzwerke" sich nicht nur auf oberflächlich-geführte Zahlen und Statistiken ausruhen dürfen(Ich denke, dass sieht auch bei Facebook so aus, vielleicht nicht so drastisch, aber ich glaube, die Zahlen trügen schon). Ein Blick hinter die Kulisse und auf einmal sieht alles gar nicht mehr so rosig aus. Ich bin nicht gegen social networks, aaber ich nehme auch nicht jeden Hype/Trend einfach so hin (sonst hätte ich wohl auch ein IPhone und IPad ;-)) und betrachte alles auch mal mit kritischem Auge. Fakt ist doch, dass es unzählige von Statistiken gibt, die nur das Positive aufzeigen. Jeden Tag bekommt man eine neu aufbereitete Statistik zum anschauen und "teilen". Sind wir wirklich so dumm, dass wir den Zahlen einfach glauben schenken und uns nicht einfach mal fragen, ob diese Zahlen einfach auch so aufbereitet werden, dass man nur den "positiven Nutzen" sieht? Wir ruhen uns viel zu viel auf Zahlen aus. Auch was, wie schon in dem Artikel erwähnt, das Thema "Fans" angeht. Aber heißt denn wirklich, dass tsd von Fans auch den Markenwert steigern? Oder sollte man nicht zurück zur Qualität gehen und die Quantität einfach mal nach hinten schieben? #zitieren
Gravatar Helge Weinberg 10.02.2011
um 16:38 Uhr
Heute titelte Spiegel Online: „Twitter-Interessenten bieten bis zu zehn Milliarden Dollar“. Da musste ich doch lachen. Denn mein Eindruck von Twitter deckt sich mit den hier geschilderten Entwicklungen. Twitter erfreut sich großer Beliebtheit bei Spammern. Und es scheinen immer mehr zu werden. Ihren Bericht habe ich zum willkommenen Anlass genommen, mich in meinem Blog auch mal über dieses Thema auszulassen. Herzlichen Dank dafür. #zitieren
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