
6. Juni 2008
Update: Railo bringt freie ColdFusion Engine
Derzeit findet in Edinburgh die ColdFusion-Konferenz "Scotch in the Rocks" statt. Geschickt genutzt hat dies Umfeld Railo. Die Schweizer haben in einer gemeinsamen Keynote mit JBoss eine freie CFML (ColdFusion Markup Language) Engine angekündigt. Die CFML Engine soll unter der LGPL License stehen und in der zweiten Jahreshälfte bei JBoss.org als Download verfügbar sein. Basis dieser freien CFML Engine ist das zurzeit unter kommerzieller Lizenz verfügbare Railo. Und weil ein Bock noch keinen Gärtner macht hat Railo auch noch gleich die Railo 3.0 Beta freigegeben. Die finale Version soll im Oktober 2008 auf den Markt kommen.
Eine Kooperation, die gut ankommt
Die Ankündigung der Kooperation zwischen Railo und JBoss.org wurde von der ColdFusion-
Community allgemein sehr positiv aufgenommen. Railo hat sich in den letzten Jahren als ernst zu nehmende CFML-Umgebung etabliert und für alle Anbieter in diesem Umfeld neue Marktsegmente erschlossen. Die Motive Seitens Railo und JBoss sind relativ klar und nachvollziehbar. CFML als Sprache ermöglicht die Entwicklung von Web-Applikationen auf sehr einfache Art und Weise mit einer deutlich höheren Produktivität als Java und bietet trotz allem vielfältige Integrationsmöglichkeiten mit der darunter liegenden JVM. Die CFML-Gemeinde war bislang auf den Adobe-eigenen Application Server ColdFusion angewiesen und Rufe nach einer limitierten freien oder kostengünstigen Version für Einsteiger wurden von Adobe bislang nicht erhört.
In diese Nische – auch mit dem Ziel Nutzer von Plattformen wie PHP oder Ruby zurück zu gewinnen – stößt nun Railo. Die Open Source-Version wird sicherlich der Sprache CFML gut tun und mithilfe der Integration in JBoss.org auch eine neue Zielgruppe von Entwicklern ansprechen können. Für die im Oktober geplante Version 3.0 unter der LGPL ist beispielsweise eine Integration von Hibernate in Railo im Gespräch, auch denkt man an Integration von JBoss Cache oder JBoss Clustering mit Railo.
Offenheit als Schlüssel zum Erfolg
Railo gibt sich sehr offen für Gespräche mit anderen Anbietern von CFML-Engines. Damit verhält sich die Firma erfrischend anders als New Atlanta, die Macher von Blue Dragon, einer weiteren CFML-Engine. Diese hat vor einigen Wochen Open BlueDragon angekündigt, die Hauptmotivation der Umstellung der Lizenz auf die GPL scheint jedoch der schlechte Verkauf des kommerziellen Produktes BlueDragon für J2EE gewesen sein, auch ist das schlechte Verhältnis zwischen New Atlanta und Adobe allgemein bekannt.
Railo und Adobe tun sehr gut daran, möglichst schnell ihre Claims abzustecken und zu definieren ob und ggf. wie man zusammen arbeiten möchte und kann. Vorstellbar sind hierbei verschiedene Möglichkeiten, jedoch ist eine der ersten Hürden, die es zu überwinden gilt, die de-facto-Standardisierung des CFML-Tag-Sets. Bislang weichen Railo, Open BlueDragon sowie ColdFusion jenseits der Basistags teilweise signifikant bei Support und Funktionalität voneinander ab.
Gedankenspiele
Mal angenommen, Adobe fasst "JBoss-Railo" nicht als Bedrohung auf, eröffnen sich im CFML-Markt plötzlich neue Möglichkeiten. Railo könnte gemeinsam mit JBoss eine frei erhältliche Open Source-Version einer CFML-Umgebung pflegen und Adobe für Erweiterungen und Enterprise-Features sorgen, die dann in ColdFusion Enterprise einfließen und verkauft würden.
Selbst wenn sich mittelfristig eine Konkurrenzsituation entwickelt, könnte dies verschiedene Vorteile für CFML mit sich bringen, da alle Anbieter versuchen werden, sich über neue und immer bessere Funktionalitäten zu definieren. In diesem Fall könnte es sich für Entwickler allerdings als schwierig darstellen, eine Applikation zu entwickeln, die auf allen CFML-Engines plattformübergreifend funktioniert.
Ganz gleich wie man es dreht und wendet – der Sprache CFML stehen spannende Zeiten bevor!
Kai König
Hallo Meikel, uns liegen keine Infos vor. Aber wir fragen nach. #zitieren
Gert Franz, Railo #zitieren

































