26. August 2009
Was die katholische Kirche Apple voraus hat
Am 20. April 2007 hat der Papst die Vorhölle abgeschafft, sodass ungetaufte Totgeburten nun doch ohne Umwege ins Paradies finden. Diese News scheint die Oberhäupter der Apple-Gemeinde noch nicht erreicht zu haben. Entwicklern von iPhone-Apps dürfte das Gefühl von Fegefeuer nach wie vor bekannt sein, während ihre ungetauften Schützlinge den Genehmigungsprozess für den offiziellen App-Store-Verkauf durchlaufen – und dieser endet oftmals nicht mit der erhofften Erlösung.
"There's an app for that" müsste demnach um die Ergänzung "but we've rejected it" erweitert werden, da viele interessante Apps, wie beispielsweise der C64-Emulator oder jüngst eine Facebook-App, zunächst abgelehnt werden. Die Kriterien, nach denen geprüft wurde, kennt dabei kaum jemand. Entwickler, die viel Zeit und Mühe in ihre Anwendungen investiert haben, fühlen sich nicht selten vor den Kopf gestoßen. So wurde die Seite "Application Submission Feedback" ins Leben gerufen, in der offizielle Begründungen zu zurückgewiesenen Applikationen eingeschickt und gelistet werden. Ein inoffizieller Leitfaden für all jene, die nicht unvorbereitet vor Apples App Review Team treten wollen.
Wen wundert es da noch, dass immer häufiger diskutiert wird, ob man das Apple-Dogma brechen soll, um dem Android-Beispiel zu folgen. Dort gibt es schließlich keine Kommission, die über das Schicksal von Anwendungen richtet. Und zu funktionieren scheint es allemal: Eine Augmented Reality-Anwendung gibt es für Android zum Beispiel schon seit Längerem.
So sinniert auch Mashable darüber, wie Apple seine Politik bezüglich des App-Stores überarbeiten könnte. Man gesteht Apple fairerweise zu, dass hinter dem ganzen Genehmigungswirrwarr auch edle Motive stecken mögen: man wolle das iPhone-Feeling in allen Belangen gewährleisten und vor Datenklau schützen. Dennoch macht man drei wesentliche Vorschläge, bei denen – wen kann es verwundern? – vor allem Apples App Review Team aufs Korn genommen wird:
1. Beef up the review staff.
Apple must double or triple what it has currently. There are simply too many apps and not enough reviewers for the system in place currently.
2. Create a "trusted developer" status.
Whenever these developers release or update apps, they bypass review and immediately appear in the app store. It is embarrassing that Apple doesn't trust Facebook enough to publish the 3.0 update immediately.
3. Give developers the benefit of the doubt.
This is really what Joe Hewitt is complaining about. These developers are what make the iPhone so great. Treating them with greater respect and better explaining any app denials will not only go a long way, but hopefully will make reviewers realize when an app is banned for a good reason and when one is denied for an arbitrary issue.
Diese Vorschläge machen Sinn. Die Entwickler von Apps haben keinen geringen Anteil daran, dass das iPhone zu dem geworden ist, was es heute ist. Apple täte also gut daran, ihnen mit mehr Respekt und Vertrauen zu begegnen.
Ob Apple sich auf Diskussionen einlassen wird, darf bezweifelt werden. Die Leidtragenden sind letztendlich die Besitzer von iPhones. Denn prinzipiell gibt es wirklich für alles eine App – man muss sie nur genehmigen.
Jürgen Telkmann

























