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17. März 2010

Wikileaks im Visier der US-Armee

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/news/054488)

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Die Seite Wikileaks ist dafür bekannt, dass sie geheime und vertrauliche Dokumente offizieller Behörden mit meist brisantem Inhalt veröffentlicht. Zugespielt werden der Plattform die Dokumente anonym durch meist interne Mitarbeiter, die Zugang zu sensiblen Daten haben. Kein Wunder also, dass Wikileaks vielen Behörden, Regierungen und Institutionen ein Dorn im Auge ist. Nun hat die Whistleblower-Website ein Dokument veröffentlicht, welches die Unterwanderung und systematische Zerstörung von Wikileaks zum Inhalt hat. Als Auftraggeber benennen die betreffenden Unterlagen einen Geheimdienst der US-Armee.

Auschlaggebend für die Bestrebung des Army Counterintelligence Center (ACIC), die Webseite unschädlich zu machen, waren Veröffentlichungen von Geheimakten der US-Armee, die deren Einsatz im Irak-Krieg betreffen. Diese gaben sensible Informationen über die Stellungen sowie der Ausrüstung der amerikanischen Streitkräfte in besetzten Gebieten preis und legten Menschenrechtsverletzungen durch Soldaten offen. In der nicht autorisierten Veröffentlichung durch Wikileaks sah man eine Gefährdung der nationalen Sicherheit und suchte in der Folge nach Möglichkeiten, weitere Publikmachungen zu unterbinden.

Die Lösung des Problems war für die US-Behörde ein ebenso schwieriges wie dringendes Unterfangen – dringend, weil man Wikileaks Informanten in den eigenen Reihen wusste und dringend, weil die Gefahr weiterer unliebsamer Publikationen dadurch dramatisch hoch schien. Doch nicht nur das: Wikileaks schützt seine Informanten auf nahezu perfekte Weise. Man nutzt neueste Verschlüsselungstechniken und Tools, um die eigenen Belange geheim zu halten und Identitäten zu schützen. Bislang sei noch kein Datenleck aus dem militärischen Umfeld enttarnt worden.

Da eine Löschung oder Blockade von Wikileaks aussichtslos schien, kreisten die Überlegungen um die Informanten als mögliche Schwachstelle. Die fälschliche Annahme, Wikileaks würde zugespielte Dokumente vor Veröffentlichung nicht redaktionell überarbeiten, führte zu Überlegungen, interne Papiere in gewissem Sinne zu verwanzen. Metadaten und kryptische Marker sollten dazu beitragen, Rückschlüsse auf den Informanten selbst zu schließen: Auf seine Abteilung, sein Betriebssystem, seine Position usw.

Seien die Datenlecks erst einmal enttarnt, müsse man drastisch gegen sie vorgehen. Man überlegte sich öffentlichkeitswirksame Sanktionen, die weitere Tratschtanten in den eigenen Reihen abschrecken sollen. Dazu gehört neben Entlassungen auch strafrechtliche Verfolgung. Sei Wikileaks für die Whistleblower erst einmal kein sicherer Hafen mehr, dann würde sich der Rest von selbst erledigen, malte man sich aus.

Letzten Endes hat die Arbeitsweise von Wikileaks selbst die Pläne der Militärs ad Absurdum geführt. Die Sicherheitsmaßstäbe sind ausreichend hoch, so dass alle Bestrebungen scheitern mussten. Auch Fehleinschätzungen über die Arbeitsweise der Plattform trugen das Ihrige zum Scheitern der Zensurabsichten bei.

Was letztendlich bleibt, ist ein fader Beigeschmack. Derartige Zensurmaßnahmen gegen Wikileaks war man bislang nur von Regierungen in China, Nordkorea und ähnlichen antidemokratischen Regimen gewohnt. Dass allerdings auch westliche Regierungen ein Problem mit der Plattform haben, erregt vielerorts Betrüben.

Jürgen Telkmann

Kommentare
Gravatar getDigital 18.03.2010
um 11:18 Uhr
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