
15. Februar 2010
Wunderland – Die vielen Gesichter der Alice
Unter einem "hermeneutischen Zirkel" versteht man den nie enden wollenden Prozess des Verstehens eines literarischen Textes, eines Films oder eines Musikstücks. Jedes Mal nimmt man das Werk anders wahr und kann es wieder und wieder lesen, hören, sehen – Bei jedem Durchlauf fallen einem neue Kleinigkeiten und Kontexte auf, die es immer wieder in ein anderes Licht rücken. Ein gutes Beispiel dafür wäre – anlässlich des baldigen Kinostarts – Lewis Carrolls "Alice im Wunderland".
Anhand des populären Kinderbuches wird deutlich, wieviele Facetten das Verstehen eines einzelnen Textes aufweisen kann. Für Kinder mag der Stoff in der ersten Disneyverfilmung einen hohen Unterhaltungswert gehabt haben. Als Jugendlicher betrachtet man eben diesen Film ganz anders, weil man beispielsweise dem Gerücht aufgesessen ist, die Macher stünden damals unter massivem LSD-Einfluss. Künstler, Designer und Filmemacher haben die Werke auf unterschiedlichste Art interpretiert, was einen Eindruck davon vermittelt, von welchen Seiten man ein Thema betrachten kann. Ein paar davon möchten wir an dieser Stelle anführen.
Die vielen Gesichter der Alice
Auf YouTheDesigner fanden wir kürzlich eine Galerie von knapp 30 Alice im Wunderland Interpretationen. Allein diese Sammlung verdeutlicht die unterschiedlichen Ansätze bei der Werkrezeption. Jedes Bild zeigt unterschiedliche Szenen in unterschiedlichen Techniken und Akzentsetzungen. So ist Alice mal sexy, mal unschuldig – mal ist die Grundstimmung fröhlich, mal düster. Die einen griffen zu Photoshop, die anderen zu Aquarellfarben. Jedes Bild für sich ist eine berechtigte, variierende Interpretation ein und derselben Quelle.
Wo der Hutmacher seine Klamotten käuft
Anlässlich des Filmstarts im kommenden Monat hat Disney eine Kollektion in Auftrag gegeben, die ebenfalls an Carrolls Geschichte anknüpfen soll. Die Modedesignerin Sue Wong nahm dankend an und verwandelte den literarischen in wirklichen Stoff. Neben Wong haben unter anderem auch Swarovski eine Kollektion entworfen, wie LaughingSpace berichtet.
Alice in der Vogue
Bei WickedHalo sind wir über ein paar interessante Aufnahmen gestolpert. Die amerikanische Vogue nahm sich ebenfalls in einer Ausgabe der guten Alice, Grinsekatze und Co. an. Die Fotografin Annie Leibovitz fotografierte dafür Szenen aus dem Wunderland, die zum Teil mit hochkarätigen Promis besetzt wurden – darunter Karl Lagerfeld. Alle Aufnahmen muten zum Teil bizarr und düster an. Man fühlt sich beinahe an Tim Burton erinnert. Ein wahrer Augenschmaus.
Alice im Disneyland
Auch filmisch wurde das Buch in der Vergangenheit mehrfach aufgegriffen und bekommt ab März eine neue Perspektive hinzu. Die IMDb zählt über 20 Verfilmungen, die sich mit Carrolls Stoff auseinandergesetzt haben – dazu gesellen sich TV-Produktionen, Serien und Musicals. Die erste Kino-Premiere feierte Alice im Oktober 1903 in den USA. Die beiden derzeit prominentesten Verfilmungen dürften hingegen die aus dem Jahr 1951 und die im März diesen Jahres kommende von Tim Burton sein. Beide wurden von Disney produziert.
Vergleichende Carrollologie
Abschließend sei noch auf einen Beitrag der LAWeekly hingewiesen, der sich ausführlich mit den Gesichtern der Alice in den Verfilmungen auseinandersetzt. Hier werden die Illustrationen aus Carolls Buch den Disneyverfilmungen aus 1951 und 2010 gegenübergestellt. Dadurch wird anschaulich, wie sich die Wahrnehmung der bezaubernden Reise der Alice im Wandel der Zeit geändert bzw. nicht verändert hat.
Jürgen Telkmann
http://tinyurl.com/yjmfh5p #zitieren
Ah nice, aber ihr habt die Alice aus American mcgee's alice vergessen:
Besonders toll finde ich ja die Grinsekatze. :)
http://tinyurl.com/yjmfh5p
Stimmt. Das Spiel ist tatsächlich unter den Tisch gefallen. Danke für den Hinweis. #zitieren

























