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12. April 2011

virtualmagazine – "Jeder E-Publikation ihr eigenes Feeling"

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/news/058867)

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Den Leser interessiert es meistens eher weniger, mit welchen technischen Mitteln ein Text, den er auf seinem Desktop, Tablet oder Smartphone liest, dargestellt wird. Auf der anderen Seite ist dies für Designer, Entwickler und letztendlich auch für Verlage nicht selten die vorrangige Problematik: Welche Effekte lassen sich mit der jeweiligen Technologie realisieren, auf welchen Devices lässt sich die Publikation letztendlich darstellen und wo muss man Abstriche machen. CREATE OR DIE sprach mit Daniel Kuhnlein, der in sein freies Projekt virtualmagazine inzwischen zwei Jahre harte Arbeit gesteckt hat und sich dabei eben auch mit derartigen Fragen auseinandersetzen musste.

CREATE OR DIE: Hallo Daniel. Wie wichtig ist Dir die Aufmachung, das Design und der äußere Rahmen, wenn Du einen Text am Bildschirm oder auf dem Smartphone lesen willst?
Daniel Kuhnlein: An sich genauso wichtig wie bei gedruckten Texten auch. Neben dem reinen Inhalt vermittelt die visuelle Gestaltung dem Leser wichtige, subtile Informationen.

CREATE OR DIE: Wie entstand die Idee zum virtualmagazine?
Daniel: Bei realen Publikationen kann man beispielsweise durch den gestalterischen Einsatz von Papier, Sonderfarben und Druckveredelungen den Charakter der Publikation herausarbeiten und dadurch seine Platzierung verdeutlichen.
Das vermisste ich bis dato in der E-Book-Landschaft. Außerdem wollte ich schon immer mal etwas Eigenes schaffen, bei dem Budgets, Kundenvorgaben und Abgabetermine keine Rolle spielen.

virtualmagazine

CREATE OR DIE: Das virtualmagazine ist also eine Art "Just for fun"-Projekt?
Daniel: Ja, so könnte man es bezeichnen. Virtualmagazine ist für mich vor allem eine Spielwiese, um die neuesten technologischen Entwicklungen zu testen und anzuwenden.

CREATE OR DIE: Wie bist Du bei der Entwicklung des virtualmagazine vorgegangen?
Daniel: Angefangen habe ich mit der Gestaltung des Umblättereffekts. Dabei war mir wichtig, das virtuelle Papier so überzeugend wirken zu lassen, wie es technologisch machbar ist. Außerdem wollte ich den bestmöglichen Weg zwischen Performance und Realismus finden. Erst in den darauf folgenden Schritten habe ich das User Interface, die serverseitige Architektur und die auf Flex basierende SaaS-Applikation entwickelt.
Mittlerweile stecken etwa zwei Jahre Entwicklungsarbeit in dem Projekt. Während dieser Zeit erweiterten sich natürlich auch die Möglichkeiten des Flash Players. Angefangen beim FP 9 mit Papervision 3D über Version 10 mit einer Away3Dlite Betaversion bis hin zu der aktuellen lowlevel FP10.x 3D API Implementierung war es ein langer und lehrreicher Weg.

CREATE OR DIE: Wie gehen andere, vergleichbare Formate für E-Publikationen vor?
Daniel: Der PageFlip Effekt ist heute weit verbreitet. IpariGrafika hat diesen Effekt erstmals vor rund sieben Jahren für Flash entwickelt und als OpenSource Lösung zum Download angeboten. Seitdem verwendet ihn so gut wie jedes, auf Flash basierende E-Book.

CREATE OR DIE: Aber auf den PageFlip Effekt hast Du beim virtualmagazine verzichtet…
Daniel: Genau. Virtualmagazine bietet neben seinem individuellen Umblättereffekt sehr viel ausgefeiltere Möglichkeiten, das gesamte Feeling der jeweiligen Publikation spezifisch anzupassen. Beispielsweise kann man die Papierart, das Papiervolumen und den Magazinrücken gestalten. Das wäre mit dem Standard-PageFlip nicht realisierbar gewesen. Darüber hinaus ist virtualmagazine für mobile Endgeräte optimiert, bietet eine umfangreiche Leser-Statistik, einen Mobile-Tag-Generator und viele weitere Tools, die das Publizieren vereinfachen. Unter virtual-magazine.com kann man sich kostenlos registrieren und das System mit seinen eigenen PDF Dateien 30 Tage lang ausgiebig und unverbindlich testen.

CREATE OR DIE: Flash hat ja nun den Nachteil, dass es auf bestimmten Devices eines gewissen Herstellers – sagen wir mal – "nicht gerne gesehen" ist. Du hast Dich dennoch für Flash entschieden.
Daniel: Flash hat den klaren Vorteil, dass man nicht für jedes Device eine eigene App kompilieren muss, sondern dass die "App" auf fast allen mobilen Endgeräten direkt über die Internetseite des Anbieters läuft. Virtualmagazine beispielsweise wechselt dann automatisch in seinen eigenen "mobilen Modus".
Zudem lassen sich komplexere Projekte meiner Meinung nach noch immer mit Flash am effizientesten realisieren. Ich denke, das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Was ich an Flash seit jeher schätze ist, dass das eigene Werk in jedem Browser, auf jeder Plattform und auf jedem Ausgabegerät identisch dargestellt wird. Darüber hinaus stimmt mich die kommende Version 11 mit OpenGL und DirectX Hardwarebeschleunigung sehr zuversichtlich.

CREATE OR DIE: Muss man Deiner Meinung nach jeden Hersteller bei derartigen Projekten berücksichtigen?
Daniel: Die CeBit 2011 hat gezeigt, dass die Auswahlmöglichkeiten an unterschiedlichen Tablets und Smartphones rasant steigen, aber auch jetzt bereits vielseitig sind.
Flash und damit auch virtualmagazine wird auf all diesen Geräten verfügbar sein. Deshalb besteht für mich kein Bedarf das komplette Projekt für einen einzigen Hersteller neu zu erfinden.

CREATE OR DIE: Wir bedanken uns für das Gespräch.

Daniel Kuhnlein gestaltet seit 2003 als selbstständiger Designer 3D-llustrationen, interaktive Applikationen und Kommunikationsmittel für Agenturen und Unternehmen.

Das Gespräch führte Jürgen Telkmann.

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