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29. Mai 2009

webinale-Keynote: Politik im Web

(Link zum Artikel: http://www.createordie.de/cod/news/049124)

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Die webinale 09 ist seit zwei Tagen Geschichte – es war eine schöne, aber auch sehr arbeitsreiche Zeit in Berlin. Einige Worte nachzutragen gilt es noch für die Keynote "Politik mit und in Neuen Medien", die am vergangenen Mittwoch über die Bühne ging. Unter der Moderation des Mediensoziologen Volker Grassmuck diskutierten Oliver Zeisberger (barracuda digitale agentur), Johannes Kleske (Razorfish) und Markus Beckedahl (netzpolitik.org) über zwei aktuelle Trends: Den Drang der Politik ins Web bzw. die Möglichkeit der Bürger via Web Druck auf die Politik ausüben zu können.

Von links nach rechts: Grassmuck, Beckedahl, Zeisberger, Kleske.
Von links nach rechts: Grassmuck, Beckedahl, Zeisberger, Kleske.

Trend eins: Dass deutsche Politiker zunehmend auf Twitter und Facebook zurückgreifen, lässt sich nicht erst seit Barack Obamas erfolgreichem Web-Wahlkampf beobachten. Allerdings konstatierte die im BCC versammelte Expertenrunde wichtige Unterschiede in der jeweiligen Anwendung: Während Obama nie das Ziel aus den Augen verlor, über die Web-Tools Anhänger für seine Wahlkampagne zu mobilisieren, wird hierzulande nach dem Motto verfahren: "Dabei sein ist alles". Die deutschen Politiker haben noch nicht erkannt, so das Urteil der Runde, dass es "letztlich nicht um Coolness", sondern um ein gutes Wahlergebnis geht – Twitter & Co. können hierbei nur hilfreich sein, wenn sie sinnvoll und gut aufeinander abgestimmt eingesetzt werden. Wechselseitigkeit ist gefragt: Eine Mission muss transportiert werden, die sich von der Web-Gemeinde dann live hinterfragen lässt.

Oliver Zeisberger: Deutschen Politikern fehlt die Strategie im Web.
Oliver Zeisberger: Deutschen Politikern fehlt die Strategie im Web.

Trend zwei: Vorallem in den USA und Großbritannien gehen die Bürger zunehmend virtuell gegen untätige und schlecht informierte Politiker auf die Barrikaden. Websites wie Fixmystreet.com sind hierfür Zeichen und Beispiel. In Deutschland dagegen ist eine entsprechende Web-Öffentlichkeit kaum vorhanden – sieht man von Ausnahmen wie dem Zuspruch für Zeichne-mit.de oder Abgeordnetenwatch.de einmal ab. Was sind die Gründe für den ausbleibenden Aktionismus – die Politikverdrossenheit bzw. Lethargie der Deutschen? Oder geht nicht viel eher die Angst davor um, dass man sich als Betreiber eines Politik-Blogs später – Google vergisst nie! – Nachteile bei der Jobsuche einhandelt?

Welche Faktoren die maßgeblichen sind, konnte auf der Bühne des BCC natürlich nicht abschließend geklärt werden. Im Kopf bleiben wird allen Anwesenden aber sicherlich die von der Expertenrunde geäußerte These, dass die Bevölkerung im digitalen Zeitalter die Politik mit den Möglichkeiten des Web unter Druck setzen muss, um verkrustete Strukturen aufzubrechen. Dass es die Politiker ins Web drängt, verschafft Aktivisten dabei einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Die Tools des Web 2.0 sind zur Interaktion geschaffen, die Politiker können uns mit den neuen Medien nicht mehr einfach einseitig mit Botschaften berieseln. Wir haben nun die Möglichkeit (und Bürgerpflicht?), ihnen per Tweet oder Kommentar unsere Meinung zu sagen.

Reimar Winkler

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