
27. Mai 2008
webinale live: Das Mitmachweb im Unternehmen. Interview mit Alexander Richter
CREATE OR DIE: Alexander, im Zuge des Web 2.0 sprechen wir auch von Enterprise 2.0. Was bedeuten die neuen Möglichkeiten des so genannten Mitmachweb für Unternehmen?
Alexander Richter: Eine große Chance, die leider von deutschen Unternehmen ziemlich verschlafen wird. Die Gelegenheit, seine Mitarbeiter, aber auch allgemein die Stakeholder in die Arbeitsprozesse einzubeziehen. Und die Möglichkeit, den Mitarbeitern Tools an die Hand zu geben, die weitaus besser zur Zusammenarbeit und zum Wissensmanagement geeignet sind, als bisherige Systeme. Enterprise 2.0 bedeutet aber nicht nur die Nutzung von Social Software, sondern auch die Weiterentwicklung zu einem Unternehmen, dem es gelingt, das Potential seiner Mitarbeiter zu nutzen.
CREATE OR DIE: Erleben wir im Bereich Social Software noch die eine oder andere Überraschung? Das ultimative "Blog-Wiki-Mega-Ding", das absolut barrierefrei und immer und überall erreichbar ist, oder werden Blogs aussterben?
Alexander Richter: Das Interessante an Social Software – egal ob Blogs oder Wikis – sind nicht mehr unbedingt die technischen Entwicklungen. Die Funktionsweise eines Blogs ist ja im Grunde ziemlich banal. Blogs und Wikis waren auch vor zehn Jahren schon technisch realisiert, aber da gab es noch nicht so viele Nutzer, die hätten partizipieren können. Und die meisten Dienste leben ja gerade von den Nutzern.Bezüglich Barrierefreiheit sind die Systeme inzwischen ziemlich weit. Twitter z.B., ein Microblog-Format, ist aus dem Web, aber auch vom Handy aus erreichbar, und seine Inhalte lassen sich nahezu überall (Blogs, Facebook etc.) in einer Minute einbinden. Viel einfacher geht’s kaum noch. Sicher wird es auch bald wieder ein neues "next big thing" geben. Aber wohl eher kein Blog-Wiki-Mega-Ding. Im Gegenteil: Die Dienste werden immer granularer und spezialisierter.
CREATE OR DIE: Wenn du an die Zukunft denkst, wie stellst du dir das Zusammenspiel zwischen Unternehmen und Verbrauchern vor? Was kommt nach der Interaktion mit dem Kunden?
Alexander Richter: Zusammen(spiel) ist schon mal gut. Ich denke und hoffe, in Zukunft wird das Verhältnis von Unternehmen und deren Kunden noch partnerschaftlicher. Die Unternehmen haben in den letzten Jahren erkannt, dass ein treuer Kunde mehr wert ist als ein gewonnener Neukunde. Insofern ist es im Interesse der Unternehmen, den Kunden als Partner zu behandeln, ihn vermehrt in relevante Entscheidungs- oder Entwicklungsprozesse einzubeziehen und – wo möglich – Informationen mit ihm zu teilen. Denn ein Kennzeichen des Social Commerce ist auch eine größere (Informations-)transparenz.
CREATE OR DIE: Hättest du dir jemals vorstellen können, dass es so etwas wie den "Prosumenten" einmal geben wird?
Alexander Richter: Ich bin ja noch jung. Aus meiner Sicht ist es eher verwunderlich, dass diese Entwicklung so lange auf sich warten hat lassen. Warum sollten die Unternehmen Ihre Kunden nicht in verschiedene Prozesse mit einbeziehen? Die Kunden sollen die Produkte doch schließlich am Ende auch kaufen. Ich glaube, in zehn Jahren wird die Frage an dieser Stelle dann eher heißen: Kannst Du Dir vorstellen, dass es vor gar nicht so langer Zeit den Prosumenten nicht gab?
CREATE OR DIE: Was anderes, wird Microsoft bald Facebook übernehmen?
Alexander Richter: Würde mich auch interessieren (lacht). In den letzten Wochen wird in Tech-Blogs vermehrt gemutmaßt, dass das Management bei Facebook auf Wunsch der Venture-Capital-Geber professionalisiert werden soll. Das spräche in meinen Augen eher für eine langfristige Planung à la "wir wollen auch mal Geld damit verdienen" und gegen Verkaufspläne. Andererseits, da Microsoft ja scheinbar über ausreichend finanzielle Mittel verfügt und der Yahoo-Deal nicht geklappt hat, könnte ich mir schon vorstellen, dass man in Redmond langsam ungeduldig wird, nachdem man rund um das Web 2.0 ja noch nicht die großen Erfolge verbuchen konnte. Ich würde es in jedem Fall sehr schade finden, weil damit auch viel vom Zauber des einstigen Startups verloren ginge.
Alexander Richter auf der webinale 08

































