
27. Mai 2008
webinale live: Die Zukunft für Startups – Interview mit Christoph Janz
CREATEORDIE: Christoph, du treibst dich seit mehr als zehn Jahren als Gründer und Investor im Internet herum, wie hat sich das Web verändert?
Christoph Janz: Puh, wo fange ich da an! Das Internet hat sich in den letzten zehn Jahren natürlich unglaublich stark verändert. Vor zehn Jahren hat die Mehrheit der Leute in Deutschland das Internet noch gar nicht genutzt, und die, die schon ins Internet gegangen sind, mussten langsame Modem- oder ISDN-Verbindungen nutzen. Heute ist das Internet aus dem Alltag von Millionen von Menschen nicht mehr wegzudenken und es ist selbstverständlich geworden, im Internet einzukaufen, seine Bankgeschäfte zu erledigen, eine Reise zu planen, Informationen jeglicher Art zu beschaffen und sehr viel mehr.
In den letzten Jahren haben wir darüber hinaus eine Verstärkung der Trends und Entwicklungen gesehen, die unter dem Schlagwort "Web 2.0" bekannt geworden sind. Dabei geht es vor allem um die Demokratisierung von Informationen (Stichwort Wikipedia) und Nachrichten (Stichwort Blogs) sowie um von Benutzern erstellte Inhalte - sowie natürlich um die zunehmende Vernetzung von Benutzern in sozialen Netzwerken.
CREATEORDIE: Wie stehen die Zeichen der Zeit für Startups heute, wie leicht oder wie schwer ist es inzwischen an Kapital zu kommen und sich mit seiner Idee durchzusetzen?
Christoph Janz: Auf der einen Seite ist es heute leichter, eine Idee umzusetzen: Das Betreiben einer Website erfordert heute geringere Investitionen in Hardware und Software als vor zehn Jahren, und man kann auf eine Menge an bestehendem Know-How zurückgreifen. Darüber hinaus funktioniert Mund-zu-Mund-Propaganda besser als früher, weil es mehr Nutzer gibt und diese besser untereinander vernetzt sind. Des Weiteren ist es heutzutage insbesondere für Newcomer, denke ich, wesentlich einfacher, mit Investoren in Kontakt zu kommen.
Auf der anderen Seite haben diese Faktoren natürlich dafür gesorgt, dass es immer mehr Startups gibt und damit der Kampf um die Aufmerksamkeit von Benutzern, Redakteuren, Investoren usw. größer ist. Dennoch: Wenn jemand eine gute Idee hat, ist es, denke ich, eine gute Zeit, um ein Startup zu gründen.
CREATEORDIE: Kannst du dich an einen Startup erinnern, das erfolgreich wurde, du das aber nicht für möglich gehalten hast?
Christoph Janz: Mir fällt da spontan Jamba ein. Als Jamba gestartet ist, hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass mit Klingeltönen einmal so viel Geld verdient werden würde!
CREATEORDIE: An was für Möglichkeiten im Web denkst du, wenn du dir das Internet in fünf Jahren vorstellst?
Christoph Janz: Da halte ich es mit Mark Twain: Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Im Ernst, in fünf Jahren wird das Internet ein noch wichtigerer Bestandteil des täglichen Lebens von noch mehr Leuten sein. Die flächendeckende Verfügbarkeit von preisgünstigem, ultraschnellen Breitbandinternet, auch für mobile Endgeräte, wird sicher ganz neue Applikationen ermöglichen. Anwendungen wie Video-on-Demand werden sich endlich durchsetzen.
Was echte Innovationen angeht, tue ich aber sehr schwer mit der Frage. Wenn man Leuten die gleiche Frage vor fünf Jahren gestellt hat, haben sie wahrscheinlich geantwortet, dass wir heute mit Virtual-Reality-Helmen ins Netz gehen und unsere Rechner per Spracheingabe bedienen. YouTube, Facebook und Twitter hat dagegen niemand vorausgesagt. Es ist eben gerade das Wesen von Innovation, dass man sie nicht vorhersagen kann. Ich bin mir sicher, dass in irgendwelchen Studentenbuden gerade an den Facebooks und Twitters von morgen gearbeitet wird – aber wir wissen noch nicht, worum es sich dabei handelt.
Christoph Janz ist Gründer und Chief Product Officer von Pageflakes. Sein Vortrag auf der webinale 08 lautet: "Monetarisierung im Web 2.0"
Reimar Winkler

































