Bei genauerer Betrachtung von Listing 2 lässt sich unschwer erkennen, dass die XML-Datei mit einigen Parametern für das Setup-Programm beginnt. Diese werden dem Benutzer im Lauf der Installation durch den CAB Parser angezeigt und dienen beispielsweise zur Festlegung des Programmnamens. Man kann hier auch festlegen, welche Betriebssystemversionen unterstützt werden. Die Characteristic-Blöcke weiter unten zeigen die eigentlichen Dateioperationen: Eine Quelldatei wird geladen, bearbeitet und an ihren Endlagerort gebracht (Systemordner werden zwecks Internationalisierung codiert – dazu später mehr). Der letzte komplette Characteristic-Block ist besonders interessant: Er erstellt nämlich eine Verknüpfung. Außerdem kann man dort auch direkt vordefinierte Registry-Schlüssel erstellen.
1, 2, 3 – CAB herbei
Obwohl man CAB-Dateien theoretisch – nach der soeben erklärten Methode – selbst erstellen kann, ist dies nur ausgesprochenen Masochisten zu empfehlen. Wesentlich komfortabler ist es jedenfalls, Visual Studio 2005/2008 dies erledigen zu lassen. Der Schlüssel dazu heißt CAB-Projekt für intelligente Geräte, findet sich unter ANDERE PROJEKTTYPEN | SETUP UND BEREITSTELLUNG und muss der Projektmappe mit dem Code als eigenständiges Subprojekt beigefügt werden. Der Projektname ist dabei der voreingestellte Dateiname des entstehenden CAB-Archivs. Nun genügt ein Klick auf das Projekt, um Visual Studio in ein geradezu meisterliches Systemverwaltungstool zu verwandeln. In der Eigenschaftenseite des CAB-Projekts kann man beispielsweise den Firmen- und den Programmnamen festlegen, in den Dialogen auf der linken Seite, welche Datei wohin soll.
Kompilate (oder andere von Visual Studio generierte Materialien wie etwa XML-Dokumentation) müssen einzeln hinzugefügt werden. Als Beispiel wird nun die vom Projekt TamsTest (siehe Abbildung 1 für die Projektstruktur) erstellte .exe-Datei deployt. Dabei wird der Projektheader des CAB-Projekts mit der rechten Maustaste angeklickt. Dann wählt man HINZUFÜGEN | PROJEKTAUSGABE… . Im daraufhin sichtbar werdenden Dialog wählt man oben das Projekt und dann die so genannte "Primäre Ausgabe". Sie erscheint im Anwendungsordner. Dabei handelt es sich um den Programmordner des Geräts (bzw. – je nach Wunsch des Users – die Speicherkarte). Hier zeigt sich auch gleich der Vorteil der englischen Version von Visual Studio. Denn die deutsche Übersetzung von VS 2005 kann man bestenfalls als schlampig bezeichnen. Besonders haarig wird es, wenn man beispielsweise eine Verknüpfung in den Programmstarter platzieren will: Ein Rechtsklick auf die Ordnerliste offenbart nämlich mehrfach den gleichen Ordner ... Klarheit verschafft man sich am besten, indem man alle irgendwie sinnvollen Ordner hinzufügt und dann die „ID“ des Ordners – wie in Abbildung 2 zu sehen – mit der unten in Auszügen gezeigten Tabelle vergleicht. Verknüpfungen erstellt man durch Rechtsklick auf das Originalelement. Drag and Drop zwischen den beiden Listen funktioniert übrigens problemlos.
| CE-String | Ordner (WM Standard) | Ordner (WM Classic / Pro) | |
|---|---|---|---|
| %CE1% | \Program Files | \Program Files | |
| %CE2% | \Windows | \Windows | |
| %CE5% | \My Documents | \My Documents | |
| %CE11% | \Windows\Start Menu | \Windows\Start Menu\Programs |
Hat man das alles überlebt, erstellt man das CAB-Projekt wie ein Quellcodeprojekt … und erfreut sich an den Resultaten (bzw. der resultierenden CAB-Datei).



