Unsere heutige Welt ist überladen. Der Überfluss an Sinneswahrnehmungen, Informationen und somit auch Alternativen macht uns allzu oft das Leben schwer. Jeder Mensch trifft täglich unzählige Entscheidungen – bewusst oder unbewusst – und merkt bald darauf, dass mindestens eine wichtige Entscheidung pro Tag falsch war. Die Auswirkungen einer falschen Entscheidung können mehr oder weniger tragisch sein, je nach Tragweite und den persönlichen Folgen. Wenn es im Leben um wichtige Entscheidungen geht, z. B. im Berufsleben oder bei wichtigen Investitionen, möchte man daher ganz sicher sein, die richtige Wahl getroffen zu haben. Aber wie stellt man das an?
Die meisten Menschen treffen manchmal eine Entscheidung, auch wenn ihnen nicht alle Aspekte bekannt sind, die für die Lösungsfindung relevant sind; sie beenden Ihren Entscheidungsprozess also, bevor sie alles wissen, was man in die Überlegungen einbeziehen könnte. Es stellt sich die Frage, ob hierbei jeder einzelne sich auf einen individuellen Mechanismus verlässt, der feststellt, wann genügend Informationen gesammelt wurden, um sich zu entscheiden. Ob bei der Partnerwahl, beim Autokauf oder im Berufsalltag – immer wieder folgt man seinen persönlichen Entscheidungsregeln. Verhaltensforscher sprechen dabei von Stoppregeln oder Stoppheuristiken; Betriebswirte präsentieren Entscheidungsmodelle unter Risikovoraussetzungen. Diese Entscheidungsregeln bei Ungewissheit gehen allerdings in eine mathematische Tiefe, die z. B. bei beruflichen Entscheidungen zu weit führen und eher für unternehmerische Herausforderungen anzuwenden sind. Im Folgenden sollen daher nur die bislang erforschten Entscheidungsregeln für den Alltag betrachtet werden.
Die Rekognitionsregel: Die Entscheidung fällt, wenn man etwas wiedererkennt
Hat man eine Situation bereits in ähnlicher Weise erlebt oder kennt man aus der Vielzahl von Produkten oder auch Unternehmen bereits das eine oder andere, so wird man sich auf seine Erfahrungen verlassen und sich für das Beste entscheiden. Oft gelingt dies aber nicht im ersten Schritt und man sucht zunächst nach dem Merkmal, mit dem man am besten zwei Objekte oder Alternativen unterscheiden kann und wählt dann das beste Objekt. Diese so genannte „Take-the-Best-Regel“ beginnt mit dem besten Unterscheidungsmerkmal und prüft, ob sich daraufhin zwei Alternativen differenzieren lassen. Ist dies nicht möglich, wird zugunsten der nächstbesten Merkmale untersucht, bis sich eine Alternative als die bessere erweist. Untersuchungen ergaben, dass die "Take-the-Best-Strategie" in über 70 Prozent der gestellten Entscheidungsfragen die richtige Lösung ergab.
Die Dominanzregel: Man entscheidet sich, wenn sich eine Alternative gegenüber einer anderen als dominant erweist
In den meisten Fällen lässt sich die Art der Urteilsbildung in 3 Phasen unterteilen: In der ersten Phase suchen Entscheider nach relevanten Kriterien und scheiden dann diejenigen Alternativen aus, die bezogen auf die wichtigsten schlecht bzw. bei weniger wichtigen Kriterien extrem schlecht abgeschnitten haben. In der zweiten Phase sucht man unter den verbleibenden Alternativen eine aus, die bezüglich eines wichtigen Kriteriums besonders positiv heraussticht. In der dritten Phase schließlich unterziehen Sie diese vielversprechende Alternative dann einer letzten Prüfung bezüglich der noch nicht untersuchten Kriterien. Wenn die favorisierte Alternative dabei nicht schlechter ist als die noch im Rennen liegenden Alternativen, wird sie gewählt. Beispiel: Sie suchen einen neuen Job. Dann müssen Sie zunächst definieren, worauf es Ihnen ankommt. Welches sind die wichtigsten Kriterien, die Sie motivieren? Prüfen Sie dann die verschiedenen Jobalternativen auf genau diese Kriterien hin ab. Nehmen Sie die Alternative aus Ihren Überlegungen heraus, die bei den wichtigsten Kriterien (z. B. berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten) besonders schlecht abschneidet. Favorisieren Sie eine Alternative, die sich aufgrund dieses Kriteriums besonders hervorhebt. Prüfen Sie nun das von Ihnen favorisierte Jobangebot auf die noch nicht untersuchten Kriterien hin (z. B. Innovationspotenzial, Abwechslung, Vergütung, Nähe zum Wohnort etc.). Wenn die ins Auge gefasste Alternative dabei im Schnitt nicht schlechter abschneidet als die übriggebliebenen, entscheiden Sie sich für den neuen Job.




